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Illustration

Güldane Tokyürek

Sprachmittler im Krankenhaus sind unabdingbar

Rede zum Antrag der LINKEN "Einsatz von Sprachmittlern in den städtischen Krankenhäusern prüfen"

Sehr geehrte Frau Oberbürgermeisterin,
meine Damen und Herren,
Im Krankenhaus können die richtigen Worte überlebenswichtig sein. Um eine Erkrankung richtig diagnostizieren zu können, sind die Ärzte darauf angewiesen, dass die Patienten Symptome genau beschreiben. Die Patienten wiederum müssen die Anweisungen ihrer Ärzte verstehen, um sie genau befolgen zu können. Bestehen allerdings Sprachprobleme, weil die Patient/innen Geflüchtete oder andere Migrant/innen sind, die deutsch kaum oder gar nicht verstehen, so ist das eine schwere Bürde für die Genesung.
In wichtigen Gesprächen können allerdings nicht Kinder, Verwandte und Freunde Abhilfe schaffen. Es gibt Gespräche zwischen Arzt und Patient*innen, da ist zwingend ein Sprachmittler erforderlich.
Keiner möchte Kinder, Verwandte oder Bekannte bei Gesprächen dabei haben, in denen es um die Folgen einer Vergewaltigung geht oder in der die Diagnose einer tödlichen Krankheit übermittelt wird. Sonst besteht die Gefahr, dass die Dinge nicht klar benannt werden. Die Übersetzer könnten beispielsweise aus Mitleid mit dem Kranken die eigentlich klare Diagnose beschönigen. Oder Frauen könnten aus Scham, die Folgen erlittener sexueller Gewalt verharmlosen.
Genau für solche Gespräche möchte DIE LINKE nun Gelder für spezialisierte Dolmetscher zur Verfügung stellen. Solche Sprachmittler werden in der Stadtverwaltung, in Schulen und Kitas seit Beginn 2016 mit positiven Erfahrungen eingesetzt. Auch in den Kliniken des Landschaftsverbandes Rheinland, z. B. in Köln-Merheim, gibt es Sprachmittler.
Solche Einsätze sind nicht billig. Deswegen werden sie nicht flächendeckend eingesetzt, um im Klinikalltag zu dolmetschen. In allen Einsatzbereichen gibt es klar umrissene Anlässe, bei denen ein Sprachmittler hinzugezogen werden kann. Doch dieses Geld ist gut anlegt. Sprachprobleme können die Heilung gefährden und verzögern. Dass Sprachmittler gerade im Gesundheitsbereich erforderlich sind, wird sicher nicht bestritten.
Deswegen beantragt DIE LINKE in dieser Ratssitzung, den Einsatz von Sprachmittlern in städtischen Krankenhäusern zu prüfen und den Bedarf zu ermitteln.
CDU/Grüne/FDP möchten die Verwaltung mit ihrem Ersetzungsantrag darauf beschränken, lediglich mit den Krankenkassen zu sprechen. Doch da bis heute eine gesetzliche Regelungslücke bei der Klärung der Kostenzuständigkeit für die Finanzierung der Dolmetscherdienste bei medizinischen Behandlungen existiert, kann das nur ein Teil des Finanzierungspuzzles sein. Mit dem LVR, der in seinen Klinken Sprachmittler finanziert, soll die Verwaltung gar nicht reden, seine Erfahrungen nicht nutzen dürfen! Das ist nicht nachvollziehbar.
Auch der Einsatz von Klinikpersonal ist eine unzureichende und sogar gefährliche Lösung. Es geht ja hier nicht um die Alltagskommunikation: wie der Patient geschlafen hat, ob das Frühstück geschmeckt hat, etc. Es geht nur um höchst wichtige, sensible Gespräche. Dafür besitzt das Klinikpersonal nicht die erforderlichen Kenntnisse und Erfahrungen in Dolmetschtechniken oder dem Fachvokabular, das in der Regel nur auf Deutsch gelernt wurde. Dafür ist eine gezielte Ausbildung notwendig. Wenn Patienten durch Dolmetschfehler zu Schaden kommen, dann trägt das Personal das Haftungsrisiko!
Meine Damen und Herren von CDU, Grüne und FDP: Sie wollen weder den Bedarf ermitteln lassen, damit der Rat weiß, um welchen Kostenrahmen es hier geht, noch wollen sie die Ergebnisse der Prüfung dem Rat zur Kenntnis geben. Lediglich der Finanzausschuss soll sich damit befassen.
DIE LINKE möchte die Problematik durch die Verwaltung umfassend aufgearbeitet wissen. Dann können wir weitersehen und im Interesse der betroffenen Menschen entscheiden. Das Jamaika-Bündnis möchte nicht so genau hinschauen und dann nur die Finanzpolitiker beteiligen. Politik im Interesse der Menschen geht anders. Deswegen werden wir ihren Ersetzungsantrag ablehnen.

 


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