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Felix Schulte

Bäder in Nippes und Weiden erhalten!

Rede von Felix Schulte, Vertreter der LINKEN im Sportausschuss, in der Sitzung am 20.09.2011

Herr Vorsitzender, meine Damen und Herren,

schon die Formulierung des Tagesordnungspunktes zum Bäderzielplan enthält zwei sachliche Fehler: Die Rede ist von einer ?Weiterentwicklung? und von der ?Basis eines Ratsbeschlusses?.

Ein wesentliches Element des betreffenden Ratsbeschlusses ist aber eben nicht Basis des vorliegenden Bäderzielplanes. Denn in diesem Beschluss wird ausdrücklich gesagt, dass erst nach Erkenntnissen aus einem Parallel-Betrieb über die Zukunft der Bäder in Nippes, Weiden und Rodenkirchen entschieden werden soll.
Wenn es nach dem Zielplan ginge, dann wären Nippes und Weiden jedoch bereits dicht - und das, während die Lentstrasse noch gar nicht geöffnet ist und Müngersdorf gerade mal ein paar Wochen läuft.

Dass die formulierte  ?Weiterentwicklung? im Gegenteil eher Stagnation, vielleicht sogar Rückschritt ist, möchte ich im Folgenden skizzieren:
Bei den Bädern in Nippes und Weiden handelt es sich um klassische Sportbäder; da können die neuen Bäder nicht mithalten. Die bieten beispielsweise keine Möglichkeiten alle Sportabzeichen zu machen. Dort kann man weder springen noch richtig tauchen. Die Ausbildung von Rettungsschwimmern ist damit ebenfalls nicht möglich. Die DLRG hat bereits öffentlich beklagt, dass Ausbildung und Training von Rettungsschwimmern, von der ja auch die Köln-Bäder profitieren, nicht mehr im gewohnten Maße möglich sein werden.

Zum Bereich Sport noch ein persönliches Beispiel: Ich gehe nach der Arbeit mehrmals wöchentlich ins Agrippa-Fit und hätte die Möglichkeit auch das Schwimmbecken zu nutzen. Aber auf den wenigen für normale Bad-Benutzer offenen Bahnen ist ein sportliches Schwimmen unmöglich. Ab 16:00 Uhr drängeln sich dort regelmäßig um die 40 Leute auf 4 Bahnen.
Und wenn man jetzt erfährt, dass etwa das Stadion an der Lentstraße gleich ganze Tage für die Öffentlichkeit geschlossen bleibt und auch sonst nur eingeschränkt nutzbar ist, dann kann man sich ausrechnen, dass die Situation für die Schwimmer nicht besser wird.

Ein großer Erfolg für Köln war das das Schwimm-Förderprogramm ?Sicher Schwimmen!?.  Mit diesem Programm wurde die Schwimmfähigkeit der Kölner Kinder deutlich erhöht.
Dasselbe gilt für Steigerung der Schulschwimmer von 36 % auf 50 %, auch das ist ein beachtlicher Erfolg. Übrigens ist über 14 Jahre lang immer wieder beim Schulschwimmen gespart worden; erst jetzt kommen wir zu dem 1998 im Bädervertrag vereinbarten Normalbetrieb.
Ich finde, dieses Niveau zu erhöhen muss unser Anliegen sein. Aber dazu brauchen wir unbedingt alle Bäder.

Wenn jetzt Kindergärten und Schulen den Ganztagsbetrieb ausbauen, dann konnte das 1998 noch gar nicht berücksichtigt werden. Somit besteht jetzt die Chance und Verpflichtung, neue Angebote für den Schwimmunterricht zu entwickeln. Man könnte noch mehr Kindern die Chance geben, schwimmen zu lernen.

Ein Wort zur speziellen Situation der Ortsteile Nippes und Weiden:
In Nippes leben immer mehr Kinder und Senioren. Für diese sind kurze Wege  besonders wichtig. - Der Schwimmunterricht an den Schulen in beiden Ortsteilen profitiert ungemein von den kurzen Wegen.
Darüber hinaus sind in Weiden die Sportstätten mit dem Bad ein sehr wichtiges gesellschaftliches Zentrum des Stadtteils; dieses zu sprengen ist auch mit sozialen Risiken verbunden.

Zum Schluss möchte ich auf die finanziellen Relationen bei den Bäderschließungen zu sprechen kommen.
Die Bäder GmbH verkündet stolz, dass die Zuschüsse je Bad-Besucher im Vergleich zu anderen Großstädten vergleichsweise niedrig sind. So wird denn auch das Schließungsvorhaben damit begründet, dass der weitere Betrieb des Weiden- und des Nippesbades zu teuer wäre. Darauf kann man doch nicht stolz sein!
Umgekehrt wird ein Schuh daraus: Viele andere Städte haben in diesem wichtigen Bereich der Daseinsvorsorge ihren Bürgern deutlich mehr zu bieten.

Übrigens: Jeder Zuschauer im Rhein-Energiestadion, der klassische Passivsportler, wird höher subventioniert, als die Bad-Besucher.
Darüber hinaus bekommt der FC jährlich ca. 3 Millionen dafür, dass das rein städtische Stadion den Namen eines städtischen Unternehmens tragen darf. Für das Geld hätten wir doch lieber die Rhein-Energie-Bäder inklusive Nippes und Weiden.
Allein mit dem Geld für Übergangslösung beim Opernquartier  könnte man die Bäder in Nippes und Weiden mehrere 100 Jahre offen halten.

Die LINKE fordert mehr  Investition in die Bäder, weil sie auch eine Investition in die Ausbildung junger Menschen ist. Dazu können zukünftig sogar Landesmittel genutzt werden.

Darum begrüßen wir ausdrücklich, die Aufforderung der Kölner SPD-Mitglieder-Versammlung an ihre Ratsmitglieder der Schließung des Nippesbades nicht zuzustimmen.

Liebe Mitglieder des Sportausschusses, ich appelliere an sie: Werden sie ihrem Auftrag gerecht!
Fördern Sie den Sport in der Stadt Köln!
Stimmen sie gegen den Plan die Bäder in Nippes und Weiden zu schließen!
- Oder geben sie wenigstens einer weiteren Diskussion eine Chance und schieben sie die Angelegenheit ohne Votum in den Rat.

Danke

Basis unserer Arbeit: Das Kommunalwahl-programm 2020

Hans Günter Bell