Wenn die Historische Mitte zum nächsten Kölner Desaster wird - den "Oberverantwortungshut" tragen Sie!
Rede in der Ratssitzung am 12.11.2015
Sehr geehrte Frau Bürgermeisterin,
liebe Kolleginnen und Kollegen,
das Stadtmuseum und das Römisch-Germanische Museum müssen dringend ertüchtigt und renoviert werden. Dafür stehen 91 Mio. zur Verfügung. Der Beschluss ist mehrere Jahre alt. Es könnte sofort losgehen. Der vorliegende Änderungsantrag von SPD, CDU und Grünen verzögert nochmal. Das ist nicht vertretbar.
Die Beschlüsse zur Renovierung aus 2011 sind sofort umsetzbar. Es sind keine teuren und langwierigen Wettbewerbe erforderlich.
Aus museumspädagogischer Sicht wäre das natürlich toll, die beiden Museen an einem Ort zu haben. Aber es ist auch zumutbar, 10 Minuten vom Dom zum Zeughaus zu gehen, um die römischen Funde und die jüngere Geschichte Köln zu bestaunen.
Der Kostenunterschied zwischen dem Projekt "Historische Mitte" und der Ertüchtigung der bestehenden Museen liegt bei mindestens 30 Mio. Euro. Das ist keine geringe Differenz, lieber Kollege Frenzel von der SPD, wie sie eben ausgeführt haben. Lieber Kollege - 30 Millionen! Das ist eine Menge Geld!
Und die Kosten für die Herrichtung des Zeughauses für eine Nachnutzung, wenn das Stadtmuseum ausgezogen dann einmal ausgezogen sein sollte, sind da noch nicht einmal drin.
In dem Änderungsantrag von SPD, CDU und Grünen wird nun die kommerzielle Nutzung des Zeughauses favorisiert. Das Zeughaus ist ein historisches Gebäude. Da wollen wir eine angemessene Nutzung und keinen Kommerz.
Mit der historischen Mitte scheint sich eine Super Große Koalition anzubahnen: SPD, CDU, Grüne und FDP.
Meine Damen und Herren, 140 Millionen Euro stehen in der Beschlussvorlage. Niemand hier im Saal glaubt, dass es dabei bleibt - Sie genauso wenig wie wir! Trotzdem wollen Sie diesen Beschluss fassen. Wenn irgendwann die Kosten davonlaufen und die Historische Mitte zum nächsten Kölner Desaster wird, dann suchen Sie bitte nicht nach einem Schuldigen. Den "Oberverantwortungshut", den tragen Sie!
Die Historische Mitte nicht ist aber nicht das zentrale Probleme der Kölnerinnen und Kölner. Köln ist eine wachsende Stadt. Bezahlbarer Wohnraum und die entsprechende Infrastruktur sind die zentralen Herausforderungen.
Lassen Sie uns keine neuen Prestigeprojekte anfangen, bevor die Alten nicht abgeschlossen sind: Heute erfahren wir von weiteren Verzögerungen bei der Sanierung von Oper und Schauspielhaus. Die bundesweite Presse berichtet erneut über die Desaster in Köln. Niemand weiß, wann diese Megabaustelle beendet ist und Sie wollen schon das nächste Großprojekt starten?
Es ist absurd, dass ausgerechnet heute die Supergroko ein neues Megaprojekt beschließen möchte!
Lassen Sie uns zuerst die Verwaltung personell vernünftig aufstocken, bevor die Politik neue große Aufgaben verteilt.
Liebe Kolleginnen und Kollegen: Bescheidenheit würde uns mal ganz gut stehen. Wir sind nicht Berlin. Wir sind nicht Paris. Die Historische Mitte ist nicht der Louvre und auch nicht die Museumsinsel!
Wir können und sollten uns nicht mit diesen Metropolen in eine Reihe stellen. Das verstellt nur den Blick für die realen Probleme unserer Stadt.
DIE LINKE will eine rasche und gründliche Renovierung des Römisch-Germanischen Museums und des Stadtmuseums, deswegen folgen wir der Alternative in der Verwaltungsvorlage.
Übrigens: Der Name für das Projekt falsch ist gewählt. Der Dom liegt nicht in der Historischen Mitte.
Die historische Mitte zur Römerzeit war das römische Forum, da wo heute der Kaufhof, Sportcheck und C&A stehen. Und in der Mitte des Mittelalterlichen Köln lag Groß Sankt Martin.
Vielen Dank

