Umweltschutz war gestern.
Der Planet diskutiert nicht. Er verhandelt nicht. Er sendet Signale – steigende Meeresspiegel, verheerende Waldbrände, Hitzewellen, schmelzende Gletscher.
Der Weltumwelttag 2026 rückt den Klimawandel in den Mittelpunkt – die dringenden Signale der Erde und die Signale, die wir zurücksenden. Die globale Kampagne des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP) ruft uns alle dazu auf, jetzt für das Klima zu handeln (#NowForClimate) und die Welt, die sich bereits im Wandel befindet, in eine andere Richtung zu lenken.
Der Gebäudesektor ist der schlafende Riese beim Klimaschutz, weil ein Drittel der Endenergie und 30 Prozent der Treibhausgasemissionen Deutschlands dort entstehen. Für das Erreichen der Klimaziele muss der Gebäudesektor bis 2045 nahezu klimaneutral werden – und die Zeit dafür drängt. Gebäude haben lange Lebenszyklen von über 30 Jahren. Das heißt was heute gebaut oder saniert wird, muss eigentlich bereits den Klimazielen für 2045 entsprechen.
Doch wie sind die Signale, die wir stattdessen zurücksenden?
Alles andere als die Richtigen.
So umfasst allein das vom Bundeskabinett verabschiedete „Gesetz zur Modernisierung des Städtebau- und Raumordnungsrechts“, kurz „Baugesetzbuch-Upgrade“, viele verschiedene Vorhaben:
- In Bauleitplanverfahren soll im Regelfall die sogenannte Strategische Umweltprüfung ausreichen. Die umfassendere und bessere Umweltverträglichkeitsprüfung wäre obsolet.
- In innerörtlichen, bereits erschlossenen Gebieten (Innenentwicklung) soll häufiger das beschleunigte Verfahren zum Einsatz kommen, bei der die Umweltprüfung ganz entfällt.
Bislang ist das möglich, wenn weniger als 20.000 Quadratmeter Fläche durch Bebauung versiegelt würden. Der Grenzwert soll auf 30.000 Quadratmeter hochgesetzt werden – das entspricht etwa einer Fläche von vier Fußballfeldern. - Gemeinden wird es ermöglicht, einen Verlust an städtischen Grünflächen und (bis Ende 2030) an städtischer Baumüberschirmung1 auch in einem städtischen Ökosystemgebiet außerhalb des eigenen Gemeindegebiets auszugleichen.
Und in Köln?
Bei der Stadt Köln läuft dieser klima- und umweltfeindliche Prozess unter dem Projekt„Köln baut bezahlbar“ in welchem die Stadt Köln versucht, die Wunschliste der Investoren abzuhaken, wie:
- Zulassung eines anderen Standards (nach dem Gebäudeenergiegesetz), als es bislang die städtischen Klimaschutzleitlinien vorgeben.2 Das belastet dann nicht nur die Umwelt, sondern auch den Geldbeutel der Bewohner*innen, da die Heizkosten höher sind.
- Eine Änderung des Kooperativen Baulandmodells3 sieht vor, dass statt zehn Quadratmetern Grünfläche nur noch acht pro einziehende Person entstehen müssen. Außerdem wird zukünftig nur noch mit 1,9 Personen pro Wohnung gerechnet, statt bisher mit 2,3 Personen. 1,9 mal 8 sind 15 Quadratmeter Grünfläche 2,3 mal 10 sind 23 Quadratmeter. Das sind rund 35 Prozent weniger in einer Stadt, die bereits eine Hitzeinsel ist. Der bundesweite Bestandsdurchschnitt für Großstädte liegt bei etwa 25 qm pro Kopf.
Dass durch weniger Umwelt und mehr Versiegelung, die Baukosten sinken werden ist wahrscheinlich. Die Mieten jedoch sind jetzt bereits höher als zur Deckung der Kosten notwendig. Zum Beispiel zahlt Vonovia durchschnittlich 166 Euro pro Mietwohnung als Dividende an die Aktionäre aus.
1 Die Baumüberschirmung (engl. tree canopy cover) bezeichnet die Fläche einer Stadt oder Region, die direkt von den Baumkronen beschattet wird. Sie ist ein zentraler Indikator der klimaangepassten Stadtentwicklung, da sie für den Hitzeschutz, die Luftkühlung und die Biodiversität unerlässlich ist.
2 In Köln müssen Bauträger aktuell den Effizienzhaus-Standard (EH) 40 einhalten. Bundesweit sieht das Gesetz aber einen anderen Standard vor, EH 55. Je kleiner die Zahl, desto energieeffizienter ist ein Haus, unter anderem wegen besserer Dämmung.
3 Das schreibt unter anderem vor, dass Investoren beim Bau größerer Projekte wie eines ganzen Wohnquartiers auch Grünflächen, Spielplätze und Kitas mitbauen müssen.

