Überdurchschnittlich hohe Anzahl von wohnungslosen Personen in Köln
Anfrage zur Sitzung des Ausschusses Soziales und Senioren am 1.9.2016
Die im Juli vom nordrhein-westfälischen Sozialministerium veröffentlichte Wohnungslosen-Notfallberichterstattung 2015 zeichnet ein erschreckendes Bild der Obdachlosigkeit in Köln. Sie untersucht die Fälle von sowohl durch die Kommunen als auch die freien Träger der Wohnungslosenhilfe untergebrachten und/oder betreuten wohnungs- oder obdachlosen Personen. Köln ist mit 45 wohnungslosen Personen je 10.000 Einwohner der traurige Spitzenreiter der Statistik. Erst weit darunter folgen Bielefeld mit 32 Personen und Düsseldorf mit 29. Die Dunkelziffer dürfte noch höher sein aufgrund von Personen, die nicht im Hilfesystem ankommen.
Dazu hat die Fraktion DIE LINKE ein paar Fragen:
1. Die Anzahl der durch das Hilfesystem registrierten Personen in Köln ist von 3655 im Jahr 2011 um über tausend auf 4683 im Jahr 2015 gestiegen. Das ist eine Zunahme um 28 %. Ist das Hilfesystem im den vergangenen fünf Jahren entsprechend ausgebaut worden und ist ein weiterer Ausbau geplant oder sind Leistungen abgebaut worden, um den wachsenden quantitativen Unterstützungsbedarf erfüllen zu können?
2. Der letzte Winter war sehr mild. Rechnet die Verwaltung damit, dass die vorhandenen Stellen und Ressourcen für den kommenden Winter ausreichen, gerade im Hinblick auf die zunehmende Zahl der Obdachlosen und die Wahrscheinlichkeit, dass der kommende Winter kälter wird als der letzte?
3. In der Erhebung ist die Zahl der erfassten Wohnungslosen in den verschiedenen Altersgruppen nicht nach Kommunen aufgeschlüsselt. In ganz NRW sind 8,2 % der erfassten Personen, in absoluten Zahlen 1642, unter 18 Jahre alt. 1264 Personen, 6,3 % sind älter als 64 Jahre. Wie hoch sind diese Zahlen für Köln?
4. Als Kind erlebte und ererbte Deprivation kann das ganze Leben prägen und es dem betroffenen Menschen später fast unmöglich machen, in ein selbstbestimmtes Leben zurückzuführen. Gibt es für die Gruppe der Minderjährigen zusätzliche Programme mit dem Ziel die Wohnungslosigkeit so schnell wie möglich zu beenden und in eine selbst angemietete Wohnung zurückzukehren und gibt es Maßnahmen und Projekte, die auf die besonderen Bedürfnisse von wohnungslosen alten Menschen abgestimmt sind und diese Zielgruppe auch erreichen?
5. Hat die Verwaltung Erkenntnisse über obdachlose Menschen im Stadtgebiet, die bisher nicht im Hilfesystem ankommen, wie groß schätzt sie diese Gruppe und gibt es Überlegungen für auf sie zugeschnittene Angebote?
Hier geht's zur Antwort der Verwaltung
