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Streetwork für Erwachsene kann Brennpunkte befrieden

Rede von Jörg Detjen zur Ratssitzung am 26.9.2019

Mit unserem Antrag schlagen wir Ihnen vor, die bestehende Streetwork-Arbeit in gewisser Hinsicht neu zu denken.

Bisher haben wir 12 städtische Streetworker, die Brennpunktarbeit für Jugendliche in ihren Wohngebieten machen. Diese Streetworker bilden zusätzlich eine Art „Feuerwehr“ in anderen Gebieten, in denen plötzlich Gruppen von jungen Erwachsenen Ärger machen. Letzteres funktioniert nicht. Für die feste Wohngebietsarbeit bleibt zu wenig Zeit.

Es gibt aber noch weitere Stellen für Streetworker. Doch sie haben einen anderen Auftrag als den öffentlichen Raum befrieden, indem sie ihnen einerseits Perspektiven aufzeigen und andererseits auf Verhaltenskorrektur in der Öffentlichkeit hinwirken.

  • Da gibt es einerseits Streetworker an Jugendzentren, die nicht nur warten, dass Kinder und Jugendliche kommen, sondern sie proaktiv einsammeln.
  • Das Jobcenter finanziert sechs Streetworker für schwer erreichbare Jugendliche und junge Erwachsene, teilweise angesiedelt bei der AWO. Sie möchten die unter 25-jährigen, die sich dem Jobcenter entziehen, an seine Leistungen heranführen.
  • Die GAG macht zum Teil „wohnungswirtschaftlich ausgerichtetes Streetwork“ in ihren Immobilien.
  • Es gibt auch bereits sog. Streetworker für Drogensüchtige und Obdachlose. Sie gehen auf die Straße und versuchen dort die Menschen zu erreichen, die in keine Einrichtung mehr kommen. Sie helfen Ihnen bei der Bewältigung des Alltags und vermitteln Hilfsangebote. Diese Arbeit hat sich bewährt und soll nicht durch unseren Ansatz ersetzt werden.

Doch der Unterschied zu unserem Konzept ist die dauernde Präsenz an den Szeneorten und ein breiter Ansatz. Die Streetworker sollen alle Gruppen in einem Sozialraum ansprechen. Das geht aber nicht, wenn Streetworker einen speziellen Auftrag nur für Jugendliche, Obdachlose oder Drogensüchtige haben. 

Unsere Streetworker sollen der Szene jeden Tag am selben Ort begegnen und so eine dauerhafte Bindung herstellen – was sehr schwer ist bei diesen Gruppen. Aber nur so können die Streetworker auch tatsächlich Einfluss auf ihr Verhalten nehmen: einen Einfluss, der nicht auf Repression, sondern Bindung beruht. Ein rein repressives Vorgehen verlagert die Probleme von einem Ort zum nächsten und verschärft den Konflikt, statt ihn zu moderieren und aufzulösen.

In den Hotspots, in denen es große Konflikte gibt, sind es oft nicht Jugendliche, die Probleme machen, sondern junge und ältere Erwachsene. Auf diese Gruppe zielt das bisherige städtische Konzept von Streetwork, das im Jugendamt angesiedelt ist, gar nicht ab.

Wir wollen diesen Menschen mit einem auf sie zugeschnittenen pädagogischen Konzept begegnen, ihnen eine Perspektive aufzuzeigen. Damit helfen wir den Menschen aus der „Problemgruppe“ selbst, wir helfen aber auch den Anwohnern und tragen etwas zum sozialen Frieden in der Stadt bei.

Sehr oft verschieben sich diese Hotspots von Erwachsenen oder sie werden von einem Veedel ins nächste verdrängt. Dann müssen die Streetworker ihrer Gruppe hinterherziehen. Ohne persönliche Bindungen bleibt Sozialarbeit wirkungslos. Diese Personen müssen vom selben Streetworker immer wieder angesprochen werden. Feuerwehr-Streetwork-Arbeit ohne feste Bindungen ist kein sozialraumorientiertes Wirken, sondern funktioniert einfach nicht!

Im ersten Schritt müsste die Verwaltung Hotspots lokalisieren, in denen sich Straßenkulturmilieu bewegt oder aber auch ein aggressives Partymilieu. Junge Erwachsene an Orten, die sich meistens eben nicht in den Sozialräumen treffen, sondern sich an der Innenstadt orientieren. Hier gibt es ja schon einige Vorarbeit.

Unseres Erachtens sollte das Sozialamt dieses Konzept entwickeln und nicht das Jugendamt. Wir reden hauptsächlich über Erwachsene. Selbstverständlich können wir auf die Erfahrungen des Jugendamtes mit Streetwork-Arbeit zurückgreifen. Aber entscheidend ist, dass wir eine andere Personengruppe ins Auge fassen müssen, die andere pädagogische Konzepte braucht als Jugendliche:
Junge und ältere Erwachsene an Orten, die sich meistens eben nicht in den Sozialräumen treffen, sondern sich an der Innenstadt orientieren.

Unser Antrag ist deshalb ein Prüfantrag, der einen Diskussionsprozess in Gang setzen soll.


Offene Linksfraktion

DIE LINKE im Kölner Rat lädt alle Menschen ein, sich für eine solidarische Stadt zu engagieren und sich aktiv an der Fraktionsarbeit zu beteiligen: Jeden Mittwoch um 18:00 Uhr trifft sich der Mittwochskreis im Rathaus - Spanischer Bau, Rathausplatz 1, Raum B26. Hier kommen unsere Mandatsträger*innen im Rat, in den Ausschüssen und in den Bezirksvertretungen mit allen Interessierten zusammen, um über aktuelle Themen und mögliche Anfragen und Anträge zu diskutieren.

Im Fraktionsstatut ist die Zusammensetzung und Arbeitsweise des Mittwochskreises geregelt.

ANSPRECH-PARTNER*INNEN

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Linksfraktion

Andrea Kostolnik

Verantwortlich für die Ausschüsse Allgemeine Verwaltung und Rechtsfragen/ Vergabe/ Internationales (AVR), Gesundheit, Jugendhilfe, Schule und Weiterbildung, Soziales und Senioren,  Wahlprüfung.

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HP Fischer

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+49 (0)221 221-27844
heinzpeter.fischer@stadt-koeln.de

 

Wilfried Kossen

Verantwortlich für die Ausschüsse Bauen, Finanzen, Liegenschaften, Rechnungsprüfung, Stadtentwicklung, Verkehr, Wirtschaft.

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wilfried.kossen@stadt-koeln.de