Stoppt die unsinnige Olympia-Bewerbung jetzt sofort!

Rede von Attila Gümüs zur Ratssitzung am 16. Dezember 2025

 

Auf der Ratssitzung wurde darüber abgestimmt, ob Köln sich für die Olypischen Spiele 2036, 2040 oder 2044 bewerben soll. Dafür sollte eine Abstimmung unter den wahlberechtigten Kölner*innen durchgeführt werden. Von den Kosten, die zwischen 2,5 Mio. und 4 Mio. Euro liegen, müsste die Stadt Köln mindestens 370.000 bis 440.000 Euro selbst zahlen. Das Land NRW hat “in Aussicht gestellt”, die restlichen 85 % zu tragen.

Die Fraktion Die Linke möche da Geld für andere Projekte ausgeben, auch weil sie eine Bewerbung für aussichtslos hält.

Attila Gümüs hat das in seiner Rede begründet:

"Die Linke lebt die olympischen Werte von Frieden, Gleichheit, Respekt, Toleranz, Fairness und Völkerverständigung. Fraglich ist aber, ob die großen Sportverbände incl. IOC dafür stehen. Korruptionsskandale, Knebelverträge, und der größte Skandal ist, dass diese Großveranstaltungen unglaublich viel Geld abwerfen. Nur Steuern wollen sie dafür nicht bezahlen. Und die Kosten bleiben bei uns.

Und die Kosten werden hoch sein. Paris 2024 hat 6,6 Milliarden Euro gekostet. Das unmittelbare Wachstum durch die Spiele wird auf 1,9 Milliarden geschätzt. Eine sehr große Lücke. München hat eine Analyse zu den Gesamtkosten gemacht und kommt auf, jetzt halten sie sich fest, „gut 18 bis 21 Milliarden Euro“. Warum gibt es diese Analyse für NRW noch nicht?

Von meinem Vorredner wurde Barcelona 1992 genannt. Ja, die Olympischen Spiele damals waren ein Booster, ein Booster für steigende Mieten und Gentrifizierung. Die haben wir in Köln schon genug.

Und wenn wir beim Thema Wohnraum sind: Kreuzfeld wird seit Jahrzehnen geplant. Aber Olympia wird das Ganze nochmal um 15 Jahre verlängern. Weil, worüber reden wir. 2036?

Erstens werden die Spiele wahrscheinlich nach dem Rotationsprinzip nach Asien vergeben. Zweitens, wo ist ihr historisches Fingerspitzengefühl? Dieses Datum ist historisch so aufgeladen. Der Hamburger Senat hat das wenigstens erkannt. Hamburg wird heute sehr oft gelobt. Hamburg schließt die Spiele 100 Jahre nach den Nazi-Spielen aus.

Die Linke steht natürlich für eine guten Breitensport, da komme ich gleich zu, aber auch für einen guten Leistungssport. Um den Leistungssport ist es in Deutschland nicht gut bestellt. Erstmal sind da die Sportstätten, da schieben wir eine Sanierungsstau von über 30 Milliarden vor uns her. Für NRW sind es 3,6 Milliarden. Die Olympiastützpunkte sind chronisch unterfinanziert. Wir haben prekäre Arbeitsbedingungen bei den Trainer*innen und auch für die Lebenssituation der Sportler*innen, wenn sie nicht gerade bei der Bundeswehr, Bundespolizei oder Zoll sind, sieht es düster aus. Und das betrifft mittlerweile die Hälfte der Kaderathleth*innen.

Die Sportnation Deutschland ist nicht nur bei den Medaillen nach hinten gerutscht. Auch in die sportwissenschaftliche Begleitung und Spitzensportforschung müsste wieder mehr investiert werden. Aber dafür braucht man keine Olympische Spiele!

Und jetzt zum Thema Breitensport:

Olympische Spiele ersetzen keine Schwimmkurse, keine Alltagsbewegung und keine starke Vereinsstruktur. Mit anderen Worten: mit Olympischen Spielen sorgen wir nicht für eine Sportstadt Köln!

Der Ministerpräsident Wüst hat von den spektakulärsten Spielen gesprochen. Das klingt so nach Markus Söder und erinnert mich ein bisschen an die weltbeste Bildung, die uns die FDP hinterlassen hat. Wüst spricht auch von den kompaktesten Spielen. 

Und jetzt kommen wir zur Achillesferse der Bewerbung: Der Verkehr. Nolympia Colonia hat eine schöne Grafik dazu erstellt. Sie zeigt, dass wir die Kriterien der Entfernungen in der Matrix reissen. Und das sind nur die Zeiten nach Fahrplan. Und jetzt mal ehrlich, wer ist in NRW in letzter Zeit Bahn oder Auto gefahren? NRW ist Stauland Nr. 1, und da wollen sie dann alles mit Olympia-Lanes blockieren? Und muss ich über die Deutsche Bahn reden, die mit ihren „Sprintern“ kein Olympisches Sprintfinale erreichen wird?

Und Herr Fricke vom DOSB hat in einem Interview mit dem Stadtanzeiger gesagt, dass man seit Paris weiß, wie wichtig kompakte Spiele sind. Die Rhein-Ruhr-Bewerbung ist das genaue Gegenteil. Da hilft auch der Etikettenschwindel mit Köln als „Leading City“ nicht. Auf mich wirkt das mit der Leading City als Verzweiflungstat.

Die Linke sagt, stoppt diese unsinnige Bewerbung jetzt sofort und setzt die 20 Millionen Euro für etwas sinnvolles ein, z.B. den Kinder- und Jugendhilfebereich.

Und wenn sie schon von Olympia träumen, machen sie erstmal ihre Hausaufgaben. Auch für eine Olympiabewerbung gilt: trainieren, Erfolge vorweisen, und dann kann man sich auch für Meisterschaften qualifizieren.

Mein Vorschlag: Wir schaffen erst mal rundum reformierte Sportverbände, Instrumente für effektiven Mieterschutz, in NRW eine Super-Infrastruktur im Bereich ÖPNV und Sport, in Köln eine Verwaltung, die ein Großprojekt nach dem nächsten hervorragend umsetzt, z.B. einen vernünftigen KVB-Ausbau, ohne Tunnel wohl gemerkt, machen Köln zu einer Sportstadt mit einer saustarken Nachwuchsförderung und einem tollen Breitensportangebot. Und dann können wir nochmal über eine Bewerbung für Olympische Spiele reden, weil dann können wir die Welt davon überzeugen, dass wir es können! Jetzt schmeißen sie mit dieser Befragung nur Geld zum Fenster hinaus, das wir nicht haben, und das woanders viel dringender benötigt wird.

Deswegen stimmt Die Linke, die sonst Bürgerbefragungen ganz toll findet, hier und heute mit Nein!"

Die Beschlussvorlage bekam auf der Ratssitzung eine sehr große Mehrheit. Lediglich die Linke, der BSW und ein Mitglied von “Die PARTEI” stimmte dagegen.