Oper für Alle statt „Ruhe auf den billigen Plätzen!“
In der nächsten Spielzeit 2026/27 wird die sanierte Oper und das Schauspielhaus am Offenbachplatz wiedereröffnet. Dann soll auch eine neue Preisstruktur für die Eintrittskarten gelten, die auf der Ratssitzung beschlossen wurde.
Die Linke war mit vielen Elementen dieser neuen Preisgestaltung nicht einverstanden, z. B. vielen Preiserhöhungen, weshalb sie vorher im Betriebsausschuss Bühnen einen Änderungsantrag dazu gestellt hatte.
Das sagte Knut Scholz zum neuen Preissystem:
„Öffentlich finanziert muss öffentlich zugänglich bedeuten! Das muss besonders für die Bühnen Köln gelten, dessen Sanierung so unverschämt große Mengen öffentlicher Gelder verschlungen hat. Mit Blick auf die Zugänglichkeit sind die Eintrittspreise natürlich eine sehr wichtige Stellschraube.
Wir unterstellen den Menschen, die sich viele Gedanken über das neue Preissystem gemacht haben, erst mal guten Willen und sehen auch, dass es natürlich ein Spagat ist zwischen Wirtschaftlichkeit und dem Anspruch, eine Bühne für alle zu bieten. Diesem Anspruch wird das vorliegende Preissystem aus Sicht der Linken allerdings nicht hinreichend gerecht!
Ganz am Anfang der Geschäftsordnung über die ermäßigten Eintrittskarten, sagen Sie ja selbst, dass sie den Verkauf von regulären Karten dem Verkauf von ermäßigten Karten vorziehen und dass nicht mehr als 7 % der Karten ermäßigt verkauft werden sollen. Aber gerade ermäßigte Karten sind doch sinnvoll, wenn man neues Publikum gewinnen möchte. Als Linke sind wir der Überzeugung, dass die Kultur nur davon profitiert, wenn man Menschen dazugewinnt, die bisher aus finanziellen Gründen keinen Zugang hatten.
Wenn sie davon sprechen, dass die Preiskategorien 6 und 7 im Saal der Oper immer einen sozialverträglichen Zugang ermöglichen, dann wenden wir als Linke kritisch ein, dass diese Platzkategorien lediglich 80 Plätze umfassen in einem Saal, der für über 1300 Zuschauer konzipiert ist. Nach dem Motto „Ruhe auf den billigen Plätzen!“ halten wir die räumliche Trennung von Menschen, die finanziell bessergestellt sind und Randplätzen, die für finanziell eingeschränkte Menschen erschwinglich sind, für das falsche Signal in einem Haus, das „für alle“ sein soll. Als Linke fordern wir deshalb ein Kontingent sozialverträglicher Karten in jeder Platzgruppe für alle Altersgruppen! Wir sind auch dankbar, dass alle anderen demokratischen Fraktion gerade im Bühnenausschuss Bereitschaft signalisiert haben, das Thema der sozialen Durchmischung im Saal anzugehen.
Das herkömmliche Abosystem um die Card-Modelle zu erweitern, halten wir für eine gute Entwicklung, besonders, weil es attraktive Cards für jüngere Menschen gibt. Dass man bis 27 auch ohne Card nur 12 Euro zahlt, finden wir auch gut. Wir würden es auch begrüßen, Menschen, die bereit sind mehr zu zahlen, großzügiger an den Kartenerlösen zu beteiligen. Wir schlagen deshalb vor, Strategien zu entwickeln, um den Stamm der Abonnenten zu vergrößern. Denn auch das Abo hat - entgegen verbreiteter Annahmen - eine Zukunft. Das zeigt die Tonhalle Düsseldorf, die ihren Abonnenten-Stamm innerhalb von 3 Spielzeiten verdoppelt hat.
Die Einführung von Dynamic Pricing lehnen wir ab! Es macht die Preisstrukturen weniger transparent und macht Vorstellungen zu beliebten Zeiten, am Wochenende und an Feiertagen, teurer. Die Logik eines nachfragegetriebenen Preissystems mag betriebswirtschaftlich nachvollziehbar sein – sie widerspricht jedoch dem Selbstverständnis eines öffentlich getragenen Kulturbetriebs, der sich nicht primär an Marktmechanismen, sondern an gesellschaftlicher Zugänglichkeit orientieren sollte.
Abschließend erkennen wir an, dass die vorliegenden Regelungen den Versuch darstellen, wirtschaftliche Anforderungen und kulturellen Auftrag miteinander zu verbinden. Gleichzeitig sehen wir Nachbesserungsbedarf dort, wo Zugänglichkeit, Transparenz und soziale Durchmischung noch nicht ausreichend gewährleistet sind. Unser Ziel ist dabei kein Gegeneinander, sondern ein gemeinsames Ringen um ein Preissystem, das dem öffentlichen Charakter der Bühnen Köln gerecht wird und möglichst viele Menschen erreicht. Denn öffentlich finanziert muss öffentlich zugänglich bedeuten! Und zwar für die gesamte Gesellschaft.“
Unser Änderungsantrag war unmittelbar vor der Ratssitzung im Betriebsausschuss Bühnen abgelehnt worden. Deswegen stimmten wir im Rat gegen den Beschluss. Diese Erhöhung der Eintrittspreise und das dynamic pricing bekam allerdings mit den Stimmen der Grünen, SPD, CDU, FDP, volt und AfD eine breite Mehrheit.

