Nachbesprechung Linkes Kino: Stolz & Eigensinn
Am 02.03.2026 hat die AG Linkes Kino den Dokumentarfilm "Stolz & Eigensinn" gezeigt. Der Dokumentarfilm feierte auf der Berlinale 2025 in der Sektion Forum seine Welt-Uraufführung.
„Die haben gemacht, was ich wollte.“
Aus dem Archiv einer Bürgerbewegung erhielt der Filmregisseur Gerd Kroske Aufnahmen des Piratensenders Canal X, der Anfang der 1990er-Jahre Industriearbeiterinnen in der DDR und ihre Werktätigkeit gefilmt hatte. Anfangs interessierte Kroske mehr wie damals über Arbeit gesprochen wurde und wie die gezeigten Frauen sich mit ihrer Arbeit identifiziert haben. Dann fing er an, die gezeigten Frauen zu suchen und daraus ist 2025 der Dokumentarfilm „Stolz und Eigensinn“ entstanden, den wir zusammen mit dem AK Feminismus anlässlich des Weltfrauentages im gut besuchten Filmhaus gezeigt haben.
Gerd Kroske hat den Frauen das alte Material vor der Kamera gezeigt und über die Aufnahmen wurde das „alte“ Leben und was danach kam wieder lebendig. Alle Frauen haben sich auch in zu DDR-Zeiten überwiegend männlich dominierten Berufen behauptet – im Tagebau an riesigen Drehschaufelbaggern, in der chemischen Industrie oder in der Stahlproduktion.
Sind die Frauen anfangs zurückhaltend mit der Bewertung des Eindringens von Frauen in Männerberufen und den Reaktionen der Männer darauf, zeigt sich durch die behutsame Gesprächsführung des Regisseurs nach und nach wie stolz die Frauen auf das Erreichte waren und sind und auch welche Widerstände sie durchbrechen mussten. Die Veränderungen nach der Wiedervereinigung haben vor allem Frauen getroffen, als Betriebe geschlossen wurden und Arbeitskräfte abgebaut wurden. Es wurde ihnen schlichtweg vermittelt: Wir brauchen euch nicht mehr.
Die neben Gerd Kroske für das von Hajra Munir-Khawaja geleitete Publikumsgespräch anwesende freie Autorin und Regisseurin Sophie Müller vom Hofe wies aus eigenem Befassen mit dem Thema wie etwa in ihrem Podcast „Das glücklichste Volk der Welt“ daraufhin, dass oftmals noch immer das Verständnis dafür fehlt, wie radikal sich nach 1990 Leben, Arbeit und Gesellschaft im Osten im Vergleich zum Westen verändert hat. Von ihr zusammengefasst mit dem Satz: „Ich komme aus einem Staat, den es nicht mehr gibt – so wie Atlantis“.
Kroske ergänzte, dass Frauen nach der Wiedervereinigung einen großen Komplex an Verlusten erlebten, der ihnen in der Verfassung garantiert war. Wie etwa auch im Frauenreport 90 zusammengefasst, der die soziale Situation von Frauen in der DDR dokumentiert. Hier sieht Kroske großen Nachholbedarf, Vieles aus der Zeit wurde noch gar nicht erzählt. Den Frauen aus dem Film merkt man an, wie gut es ihnen tut, ihre Geschichte erzählen zu können und wie sehr sie sich damals und heute mit ihrer Arbeit identifiziert haben.
Sophie Müller vom Hofe weist daraufhin, dass die zwei Wege in unserem Land auch noch viel Material bieten für zukünftige Entwicklungen.
Großer Dank an Gerd Kroske und Sophie Müller vom Hofe und dem AK Feminismus für die Unterstützung bei der Umsetzung dieses guten Filmabends!

