Nachbesprechung Linkes Kino: Die Saat des heiligen Feigenbaums
Am 25.02.2026 hat die AG Linkes Kino das Oscar-nominierte deutsch-iranische Drama "Die Saat des heiligen Feigenbaums" im Filmhaus Köln gezeigt.
"Wenn Du niemandem mehr trauen kannst."
Iman, frisch ernannter Ermittlungsrichter im Teheran 2022, sieht sich am Ziel seiner beruflichen Pläne. Doch schnell wird deutlich, dass mit Beginn der Proteste, ausgelöst durch den Tod der 22-jährigen Jina Mahsa Mini am 16. September nicht wirklich juristisches Handeln von Iman erwartet wird, sondern nur die Legitimierung für bereits feststehende (Todes-)Urteile zu leisten ist. Ehefrau Najmeh, die bedingungslos zu ihm steht, und die Töchter Rezvan und Sana, die über die Freundin der Studentin Rezvan mit der entstehenden Protestbewegung in Kontakt kommen, leben auf beengtem Raum im Zentrum der Stadt. Die Proteste, eingeblendet in Originalaufnahmen, finden draußen vor den mit Gardinen verhangenen Fenstern statt.
Die brutalen und willkürlichen Folgen des harten Durchgreifens des Regimes dringen in das ruhige Leben der Familie ein, als Rezvan die von Schrotkugeln im Gesicht verletzte Sadaf mit nach Hause bringt und ihre Mutter um Hilfe bittet. Der ruhige Erzählfluss, bis hierher ganz ohne Musik, wird jäh unterbrochen durch eine mit Musik und Licht fast sakral anmutende Szene, in der Najmeh die einzelnen Kugeln aus dem blutenden Gesicht entfernt. Beide Töchter sind fortan gegen den Vater und das von ihm repräsentierte Regime - erste Risse in der Familie zeigen sich.
Als die Dienstpistole Imans, die dieser für die neue Aufgabe erhalten hatte, aus der Wohnung verschwindet, rückt die politische Situation in den Hintergrund und die Zuschauer*innen werden Zeuge, wie durch das Misstrauen in der Familie insbesondere Iman jeglichen Rückhalt verliert. In einer Art Showdown vor den Kulissen einer unbewohnten Wüstenstadt endet der Film in einer Katastrophe.
Das Material des von Mohammad Rasulof im Iran gedrehten Films wurde direkt nach dem letzten Drehtag nach Deutschland gebracht und unter Leitung des deutschen Produzenten Mani Tilgner fertiggestellt. Mani war gerne bereit in der von Mika Swenshon geleiteten Diskussion nach dem Film auf zahlreiche Fragen und Anregungen zu antworten.
Die Idee für den Film hatte Rasulof noch im Gefängnis entwickelt, wo er eine Strafe wegen „Verschwörung gegen die nationale Sicherheit“ absaß, und dann innerhalb von nur sechs Monaten mit einem Budget von einer Millionen Euro umgesetzt. Er selber trat während der Dreharbeiten nicht in Erscheinung, höchstens mal verkleidet. Filmgenehmigungen werden im Iran oft für fiktive Kurz oder Kunstfilme beantragt, um die echten Filmideen und vor allem auch die Protagonisten zu schützen. Gedreht wird oft in geschlossenen Räumen, was bei Der Saat des heiligen Feigenbaums aber auch das zur Handlung gehörende Gefühl des Gefangenseins aller Personen in jeglicher Hinsicht verstärkte. Hier also nicht so sehr eine Einschränkung darstellte, sondern vielmehr gelungenes Stilmittel. Rasulof selbst hat sich nach Drehschluss zu Fuß auf den Weg nach Cannes gemacht, pünktlich zur Preisverleihung. Mehrere der Schauspieler*nnen des Films leben inzwischen auch im Exil.
Die Saat des heiligen Feigenbaums war für unsere Kino AG ein filmisches Highlight und wir danken Mani Tilgner für die spannenden Einblicke in die Filmentstehung und die Bedingungen seiner Produktion. Gerade auch vor dem Hintergrund der aktuellen Entwicklungen im Iran.

