Mädchen brauchen Sicherheit und Raum, sich auszuprobieren!
Mehr als 17 Jahre hat es von der Forderung zur Umsetzung eines Fachbeirats für Mädchenarbeit gebraucht. Auf dieser Ratssitzung wurde er nun beschlossen.
Warum das so wichtig ist, erklärte Momo Eich in ihrer Rede:
„Was heißt es eigentlich, Mädchen zu sein?
Mädchen sein, heißt, sich schon in der Grundschule um Mitschüler kümmern zu müssen, „die stören“. Sich zuhause stärker als der Bruder um den Haushalt und um Verwandte kümmern müssen. Oder um kleine Geschwister. Insbesondere wenn die Eltern beschäftigt mit Arbeiten sind.
Und dann heißt Mädchen sein leider auch oft, mit Angst durch den Alltag zu gehen. Insbesondere abends. Dabei sind Freunde, Partner und Familie der gefährlichste Ort. Jede fünfte Frau in Deutschland wird im Kindes- und Jugendalter Opfer sexualisierter Gewalt. Und dann wird ihr eingeredet, sie wäre selbst schuld daran.
Mädchensein heißt aber auch, Freundinnenschaften zu schließen. Sich zu verbünden. Schöne Nachmittage zu verbringen. Aber für dich selbst und deine Freundinnen – nicht um irgendwelche Erwartungen zu erfüllen.
Mädchensein wird oft verklärt als nostalgische Zeit. Mädchensein wird dann wiederum oft auch sexualisiert dargestellt – vom Schulmädchen-Porno zu Catcalling, das insbesondere junge Frauen und Mädchen trifft.
Aber was brauchen eigentlich Mädchen?
Mädchen brauchen Sicherheit. Mädchen brauchen Raum, sich selbst auszuprobieren und sich mal nicht um andere kümmern zu müssen. Raum, um herauszufinden, was man eigentlich selbst möchte. Sie brauchen Spaß und Lockerheit – weil das verdienen wir doch eigentlich alle, wenn wir aufwachsen und uns ausprobieren wollen.
Mädchenarbeit ist so ein Ort. Ich denke da zum Beispiel an die Lobby für Mädchen, die so wichtige Arbeit macht. Als ich die Lobby für Mädchen zum Mädchentag besucht habe, haben mich einige Beiträge der Mädchen begeistert. Mädchen, die mit 16 klar benennen können, dass sie im Schulunterricht nicht so ernstgenommen werden wie Jungen. Und das ein Problem ist. Mädchen, die sich beschweren, wenn ihnen Unrecht angetan wird. Statt alles runterzuschlucken, wie es uns beigebracht wird. Vielen Dank für die wichtige Arbeit an dieser Stelle! Nicht nur von der Lobby für Mädchen, sondern von allen Trägern in der Mädchenarbeit.
Als ich ein Mädchen war, habe ich noch nicht gemerkt, dass ich als Mädchen anders behandelt werde. Das geht leider vielen so, die sich dann selbst die Schuld geben. – Vielen Mädchen wird abgesprochen, einen Schrank bauen zu können. Ihnen wird die Schuld gegeben für die Gewalt, die sie erfahren. Dabei kann z. B. eine Vergewaltigung ähnliche Traumatisierung wie ein Krieg mit sich ziehen.
Was es dann braucht, ist ein Umfeld, das die eigenen Probleme ernstnimmt, zuhört und klar vermittelt, dass die Gewalt, die andere ausüben, nicht die eigene Schuld ist. Nur so kann sich auch ein Wille nach Veränderung entwickeln; ein Wille, diese Welt zu einem sicheren Ort für Frauen und Mädchen zu machen.
Mädchenarbeit ist in der Jugendarbeit das Feld, das geschlechtsdifferenzierte Ansätze verfolgt. Damit hat sie eine Vorreiterstellung eingenommen. Es ist wichtig, dass Mädchenarbeit stattfindet und Anerkennung findet, damit Jugendzentren für alle jungen Menschen in Köln zugänglich sind.
Wir als Linke unterstützen schon lange die Forderung nach einem Fachbeirat Mädchenarbeit hier in Köln: Es braucht eine institutionalisierte Vernetzung der Fachkräfte. Damit ein kontinuierlicher Austausch gewährleistet ist. Nur so können verschiedene Träger fachlich auf spontane Entwicklungen reagieren. Und: Nähe zur Politik ist wichtig in diesem relevanten Feld der Jugendarbeit. Es ist Zeichen ihrer Relevanz.
Deshalb stimmt für die Einführung des Fachbeirats Mädchenarbeit! Es wird Zeit, dass der Fachbeirat für Mädchenarbeit bald endlich ins Arbeiten kommen kann!“
Alle Ratsmitglieder außer der AfD haben für diesen Antrag gestimmt, der damit angenommen wurde.

