Großes Theater um das Interim der städtischen Bühnen
Rede in der Ratssitzung am 10.09.2015
Herr Oberbürgermeister,
liebe Kolleginnen und Kollegen,
"Wer in diesen Tagen großes Theater erleben will, muss nach Köln kommen. Das gilt insbesondere für die kulturpolitische Debatte, die wir in der letzten Zeit geführt haben." So begann Winrich Granitzka am 1. März 2011 seinen Redebeitrag zum Interim der Oper und heute ist es diese CDU, die diesem Schauspiel um die Oper einen weiteren Akt zufügen will.
Die heutige szenische Aufführung besteht aus drei Akten. Erster Akt: Verwaltung vers. Politische Akteure
Wir streiten über Quadratmeter, möglichen Zuschauerzahlen und jeden einzelnen Cent. Die CDU und FDP unterstellen der Verwaltung, diese Zahlen an den Haaren herbei zu ziehen. Es ist natürlich richtig diese kritisch zu hinterfragen, das haben alle politischen Akteure intensiv gemacht. Ich bin aber auch davon überzeugt, dass die Verwaltung ihr Möglichstes an Beantwortung tut. Das mag dem ein oder anderen aber immer noch nicht die Entscheidung erleichtern.
Dass es Präferenzen gibt, halte ich für vollkommen normal. Sie kaufen auch nicht ein Kleidungsstück nicht nur nach dem Preis.
Meines Erachtens geht es hier auch nicht wirklich um diese Zahlen sondern um andere Interessen und damit zum zweiten Akt: Der ist weitaus delikater. Hier haben wir auf der einen Seite das Staatenhaus mit all seinen Hindernissen und auf der anderen Seite die MMC Studios mit dem im Hintergrund agierenden Eigentümer Esch-Oppenheim-Fonds. Das freundliche Fax von MMC haben ja alle, auch die Presse erhalten. Jeder behauptet von sich größer, schöner zu sein. War MMC zu Anfang mit Auskünften sehr spärlich, so sprudeln nun die Angebote. Man könnte nach den aktuellsten Angeboten glauben, man könne ganz Ossendorf mieten.
Hier müssen wir ebenfalls kritisch hinterfragen: was ist da los? Eins ist für uns LINKE klar, mit Esch-Oppenheim wollen wir nichts zu tun haben! Die einzelnen Vorgänge, meine Damen und Herren der CDU dürften Ihnen gut bekannt sein. Sollten Sie dabei Lücken haben, wenden Sie sich doch vertrauensvoll an den damaligen Verwaltungsratsvorsitzenden der Sparkasse Köln Herrn Professor Bietmann. Der wird Ihnen vertraulich doch sicher gerne Auskunft geben, wer, wo mit wem...
Sie sehen, meine Damen und Herren, der zweite Akt ist und wird möglicher weise erheblich länger. Das wäre dann aber die Aufgabe des Finanzausschusses und des Ausschusses für allgemeine Rechtsfragen. Fazit ist allerdings, dass man mit einem möglichen Vertragspartner der unverhohlen damit droht, wenn er nicht berücksichtigt würde, den Rechtsweg zu gehen, mehr als vorsichtig sein muss.
Nun kommen wir zum dritten und letzten Akt dem künstlerischen Anspruch für eine Interimsstätte. Wer hier unter Ihnen Intendant, Dirigent, Musiker oder Beschäftigte der Oper ist mag wirklich beurteilen können welches Haus für die Kunst besser geeignet ist.
Da wir das aber nicht sind, vertraue ich in der Hinsicht den Fachleuten, nämlich der Intendantin Frau Meyer, dem Generalmusikdirektor Xaver Roth, der ein solches Entree glaube ich nicht erwartet hat, Musiker des Gürzenich-Orchesters und den Beschäftigten. Für ein kulturelles Erlebnis brauchen wir ein motiviertes Team.
Wenn wir dem Anliegen der CDU / FDP der Nichtbehandlung gefolgt wären, gäbe es keine Spielzeit 2015/16. Wollen Sie den Mitarbeiterinnen sagen, dass wir Ihre Arbeit nicht benötigen und sie für ein Jahr mal eben arbeitslos werden. Wir die LINKE stehen zu dem gesamten tollen Team!
So verantwortungslos können selbst Sie von CDU und FDP nicht sein. Das Schreiben vom Frankfurter Opernintendant und Vorsitzenden der Deutschen Opernkonferenz sollte uns allen, auch Ihnen zu denken geben.
Eigentlich sollte es um Kunst, um unsere Kultur gehen. - Schade! Ich hoffe auf ein Happy End, denn unsere Stadt darf keinen weiteren Schaden erleiden.

