Gesamtschulen sind nötig, Gemeinschaftsschulen nur ein Trostpflaster
Rede zur Ratssitzung am 14.12.2010
Sehr geehrte Damen und Herren,
positiv an den drei Bewerbungen für Gemeinschaftsschulen ist:
- Alle wollen integrierte und nicht nach Bildungsgängen getrennte Klassen ab Klasse 6.
- Alle wollen inklusiven Unterricht von behinderten und nicht behinderten Schülern anbieten.
- Alle drei Hauptschulen sind sehr engagiert und haben im Rahmen des Schulversuchs ?Gemeinschaftsschule? ein gutes Konzept vorgelegt.
Trotz dieser positiven Elemente sieht sich die Fraktion nicht in der Lage, dem Antrag zuzustimmen. Die Eckpunkte der Landesregierung sehen eine (Zitat) ?Errichtung in der Regel durch Zusammenführung bestehender Schulen? vor. Das heißt, mindestens eine Realschule müsste neben der Hauptschule beteiligt sein. Doch keine der drei Schulen sieht einen Zusammenschluss vor.
Werden sie wirklich ?längeres gemeinsames Lernen? erreichen können, wenn sie nur aus Hauptschulen entstehen, oder besteht nicht die Gefahr, dass die alten Hauptschulen mit neuem Etikett weiter geführt werden? Dann werden Schülerinnen und Schüler, die bisher Realschulen, Gymnasien und Gesamtschulen besucht haben, auch weiter diese Schulformen vorziehen, zumal auch die Gesamtschulen ein Konzept des gemeinsamen Lernens haben.
Die Gefahr besteht, dass diese Schulen als umetikettierte Hauptschulen gelten. Das hat Auswirkungen auf die soziale Durchmischung der SchülerInnenschaft, das wiederum auf die Erfolgschancen bei der späteren Evaluierung.
DIE LINKE sieht auch das Fehlen einer gymnasialen Oberstufe kritisch. Alle drei Schulen werden keine integrierte Oberstufe haben, sondern eine Kooperation anstreben. Kooperation kann ja nicht nur heißen, dass Schülerinnen und Schüler mit einem Qualifizierten Hauptschulabschluss an einer Sek II-Schule aufgenommen werden - das ist ja heute auch schon so - sondern dass die Sek II-Schule auch die Inhalte der Gemeinschaftsschule mit bestimmt. Das ist notwendig, um gymnasiale Standards in den Klassen 5-10 zu etablieren.
Bekanntlich verfolgt DIE LINKE eine Schulentwicklung, die der Forderung "eine Schule für alle" entspricht, also die Aufhebung der hochgradig selektiven gegliederten Schulstruktur verfolgt. Mit der Gründung von Gemeinschaftsschulen werden zwar punktuell wichtige Schritte in diese Richtung unternommen. Sie bleiben aber im Resultat hinter dem Ziel "eine Schule für alle" zurück.
Das Gymnasium als sozial und pädagogisch problematische Schulform bleibt unangetastet. Es wird sogar noch stabilisiert durch die institutionalisierte Oberstufenkooperation. Somit bleibt es bei der Selektion zu Lasten benachteiligter Kinder und Jugendlicher.
Chancengleichheit sieht anders aus!
Demgegenüber kommen Gesamtschulen der Zielsetzung "eine Schule für alle" ein deutliches Stück näher. Diese haben aufgrund ihrer Größe bessere Möglichkeiten zur Binnendifferenzierung, eine integrierte Oberstufe und stellen einen wirklichen Neuanfang dar. Das macht sie für das potentielle neue Kollegium und für Eltern, die ihr Kind auch aufs Gymnasium schicken, attraktiver.
DIE LINKE macht sich daher stark für eine deutliche Ausweitung des Gesamtschulangebots in Köln. Sie sieht sich in dieser Orientierung bestätigt durch die im vergangenen Jahr durchgeführte Elternbefragung sowie durch die hohe Anzahl von Kindern, die in Ermangelung entsprechender Kapazitäten Jahr für Jahr an den Gesamtschulen abgewiesen werden müssen.
Es ist durchaus möglich, in den vorhandenen Gebäuden, den bisherigen Hauptschulstandorten zum Beispiel, Gesamtschulzweige anzusiedeln, wenn man sich nicht die Gründung ganzer neuer Gesamtschulen zutraut.
Weil DIE LINKE Gemeinschaftsschulen trotz der erwähnten positiven Akzente als zu kurz gesprungen ansieht und stattdessen die Einrichtung weiterer Gesamtschulen für Köln fordert, wird sie sich in der hier anstehenden Abstimmung enthalten.
Danke für Ihre Aufmerksamkeit.

