Ganztagsbildung: nach Kassenlage

Heiner Kockerbeck

Köln ist mit seinem Ausbau des Ganztags an Grundschulen in NRW Spitzenreiter: Für 87% der Kinder gibt es hier bereits Plätze. Das ist vergleichsweise gut. Aber immer noch bleiben in ärmeren Stadtteilen im Kölner Norden und im Rechtsrheinischen deutlich weniger Kinder nachmittags in der Schule.

Das ist ein Missstand. Gerade für Kinder, die aufgrund ihrer sozialen Herkunft sowieso bereits im Bildungswesen benachteiligt sind, ist ein ganztägiges Angebot wichtig, um sie umfassender zu fördern und zum Lernen zu motivieren. Diese Erkenntnis wird überall gerne mit fürsorglicher Pose geäußert.

Der Bundestag hat 2021 richtigerweise einen gesetzlichen Rechtsanspruch ab 2026 für Ganztagsbildung in den Grundschulen festgelegt. Doch kommen trotz finanzieller Hilfe des Bundes dabei auf Länder und Kommunen nicht unbeträchtliche Kosten zu. Die Kölner Verwaltung hat ein Jahr lang alle Grundschulstandorte im Hinblick auf 2026 geprüft. Der Rat am 1.10. beschloss nun, dass die Verwaltung die Ergebnisse umsetzen kann.

Die Bilanz stellt auch die Verwaltung nicht zufrieden. In der Mehrheit der Grundschulen gibt es für das Mittagessen immer noch keine Mensa – fast 20 Jahre nach Einführung des Offenen Ganztags (OGS). Gegessen wird meist im Klassenraum. Auch fehlen Räume für Gruppenangebote. Wie kommt das? Die Schulverwaltung hatte in der Vergangenheit mehr Gebäude bestellt. Nach dem Kölner Sozialindex werden dabei die ärmeren Stadtteile zeitlich vorgezogen. Jedoch schafft es die Kölner Bauabteilung aufgrund fehlenden Personals nicht, genügend schnell zu sanieren und zu bauen.

Insgesamt werden deshalb auch 2026 sogar noch 1.200 Plätze im Ganztag an Grundschulen fehlen, räumt die Verwaltung ein! Das ist auch ein Problem für berufstätige Eltern, schon gar für Alleinerziehende.

Hinzu kommt, dass die Landesregierung NRW nun ein Versprechen aus dem Koalitionsvertrag von 2022 einkassiert: Es sollte eigentlich endlich ein Ausführungsgesetz für den Ganztag an Grundschulen geben. Damit stünde das Land in der Pflicht, den Kommunen mehr Geld zuzuweisen, um Mindeststandards für Personal und Räume umzusetzen.

Doch es bleibt nun vorerst beim Sparmodell. Im Offenen Ganztag (OGS) wird der TVÖD umgangen. Die Löhne sind niedrig. Die Personalfluktuation ist hoch. Zudem können die Grundschulen den OGS nicht genügend in ihre Arbeitsorganisation integrieren, um ihn pädagogisch zu verbessern. DGB, Städtetag NRW und Elternorganisationen haben seit dem Frühjahr ohne Erfolg protestiert. Abseits aller Sonntagsreden und stolzen Pressemeldungen regiert die Haushaltslage, die zudem immer kritischer wird.