Ein Suchthilfezentrum muss an den Neumarkt, nicht nach Kalk
Rede zur Ratssitzung am 4. September 2025 von Jörg Detjen
SPD und CDU hatten beide Anträge zum Thema gestellt. Verhandelt wurde allerdings nur der CDU-Antrag, den Drogenkonsumraum vom Neumarkt nach Kalk zu verlegen, was Die Linke ablehnt. Jörg Detjen redete für Die Linke.
Das Thema Suchtzentren im Kölner Stadtgebiet eignet sich nicht als Wahlkampfthema. Ich bitte CDU und SPD, auf dem Teppich der Realität zu bleiben. Ich befürchte, dass sich die bisherigen Gemeinsamkeiten aller demokratischen Fraktionen mit dem Vorbild „Züricher Modell“ auflösen könnten.
Der Vorschlag des Sozialdezernenten Dr. Rau, drei Suchtzentren einzurichten, sowie der Vorschlag des SKM, ein Suchtzentrum in Neumarkt-Nähe zu errichten, orientieren sich am erfolgreichen Züricher Modell.
Deshalb stehen wir beiden Vorschlägen positiv gegenüber.
Der Vorschlag von CDU, Polizeipräsident und Innenminister, ein neues Suchtzentrum am Polizeipräsidium in Kalk zu errichten, verfehlt das Ziel des Züricher Modells: Der Standort müsse „szenenah sein“, hatte Prof. Dr. Deimel dem KStA erklärt. Der Polizeistandort liegt jedoch 3,4 Kilometer und 48 Minuten Fußweg vom Neumarkt entfernt. Unseres Erachtens ist dies ein anderes Modell, um es freundlich auszudrücken!
Die Kölner Polizei hat kürzlich bei einer Veranstaltung in der St.-Josef-Kirche in Ehrenfeld erläutert, dass Drogenabhängige immer dorthin ziehen, wo sich die Dealer aufhalten. Glauben Sie, die Dealer würden sich vor das Polizeipräsidium stellen? Das werden sie nie tun!
Der Drogenkonsumraum in Kalk ist kurz vor der Fertigstellung und soll Anfang des Jahres eröffnet werden. Warum sollten wir dieses Projekt zerschießen? Warum genehmigt die Kölner Bezirksregierung nicht das Betriebskonzept des Trägers? Wer steckt da hinter?
Die NRW-Innenbehörden? Herr Dr. Rau, sie sind doch im Austausch mit dem Polizeipräsidenten, können Sie dazu was sagen?
Eine fast fertige Lösung in Kalk wird das Neumarktproblem zwar nicht lösen, aber vielleicht etwas entlasten.
Der Vorschlag von Dr. Rau ist ein Gesamtkonzept und gleichzeitig auch ein Minimalkonzept. Zürich hat bei der Hälfte der Einwohner von Köln drei Einrichtungen. Das heißt, wir müssen größer denken. Aber lieber ein ausbaufähiges Minimalkonzept als ein zentrales Projekt, das scheitern wird.
In Dortmund wurde neben dem Drogenkonsumraum eine Freifläche geschaffen, um den öffentlichen Raum zu entlasten. Wäre das nicht auch eine Möglichkeit, die Probleme kurzfristig zu reduzieren?
Keine der vorgeschlagenen Projekte enthält einen Finanzierungsvorschlag! Nur der Sozialdezernent hat dieses Problem in seinem Konzept angesprochen. Glauben Sie, die Kämmerin gibt einem zerstrittenen Kölner Stadtrat 14 Millionen Euro für ein Suchthilfeprojekt? Mitnichten!
Oder wollen Sie das komplett aus dem Sozialhaushalt finanzieren? Das wäre verantwortungslos!
Der Kölner Stadtrat benötigt weitere Bündnispartner. Ich hoffe insbesondere auf die Religionsgemeinschaften und die Unternehmen in der Innenstadt. Das können wir nur gemeinsam angehen, nicht zerstritten! Das ist dem Kölner Stadtrat vor vielen Jahren mit der Überlebensstation Gulliver bereits gelungen. Warum also nicht diesmal?
Wir benötigen ein Gesamtkonzept statt einer Ein-Punkt-Lösung. Das Problem der Verdrängung in die Stadtbezirke haben wir jetzt schon.
Die Linke hat in der letzten Hauptausschusssitzung gemeinsam mit den Fraktionen von Grünen, SPD und Volt einen Beschluss für eine Einrichtung nahe dem Neumarkt gefasst. Daran halten wir fest und möchten mit allen demokratischen Fraktionen sowie der Verwaltung an einem Gesamtkonzept arbeiten.
Die Position der CDU bekam keine Mehrheit. Mit den Stimmen der Linken durchgesetzt hat sich schließlich ein mündlicher Änderungsantrag, der nur die Prüfung weiterer Standorte vorsieht, keine Verlegung. Das ist ein großer Erfolg auch der Linken. Die Schließung des Drogenkonsumraums auf dem Neumarkt ist damit erst einmal vom Tisch.

