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Die Nacht ist ein freier Ort, an dem man sein kann, wer man ist

Güldane Tokyürek

Güldane Tokyürek, Rede auf der Ratssitzung am 28.06.2016 • TOP 3.1.4 "Konflikte vermeiden, Kommunikation fördern: Der Nachtbürgermeister für Köln"

London, Amsterdam, Berlin und auch Köln haben eine Sache gemeinsam: Hier gibt es Menschen, die wollen feiern. Aber wo gehobelt wird, da fallen Späne. Und wo gefeiert wird, da ist es eben manchmal laut. Und es gibt Menschen, die wollen schlafen. Wie aber kann es gelingen, dass eine Stadt sowohl mit einem dynamischen und aufregenden Nachtleben punkten kann, gleichzeitig aber auch für Anwohner lebenswert bleibt?

Der Nachtbürgermeister der Stadt Amsterdam, Mirik Malin, vermittelt zwischen Nachtclubbetreibern, Verantwortlichen der Stadt und Anwohnern.
„Die Nacht ist ein freier Ort, an dem man sein kann, wer man ist. Doch bedeutet der Einbruch der Dunkelheit längst nicht mehr nur Poesie, sondern auch Politik." So der Nachtbürgermeister von Amsterdam.

Die SPD fordert nun auch einen Nachtbürgermeister für Köln. Wir finden, das ist eine sinnvolle Maßnahme.
Partys, Konzerte und Kneipen haben eben auch Nachteile für die Städte. Lärm, Gewalt, Betrunkene, Müll sind die Schattenseiten des Nachtlebens. Da gilt es immer wieder abzuwägen, mit dem was das Nachtleben an Gutem in die Städte bringt: Und das ist nicht nur Geld, das ist auch Kreativität.
Es gibt nämlich auch den produktiven Nebeneffekt des Ausgehens. Vielen Webdesignern, Grafikern oder Art Directors gilt die Nacht als Nährboden für Inspiration. Nicht nur eine attraktive Umgebung oder Sicherheit sind Betriebe bei ihrer Standortwahl wichtig, sondern gerade auch Kultur und eine breite Palette an Ausgehoptionen.

Aufgabe des Nachtbürgermeisters muss es sein, Regeln für das Nachtleben zu finden. Dazu sind eben diejenigen mit einbeziehen, die nachts feiern. Und nicht nur diejenigen, die nachts eher schlafen - nämlich Politiker und Verwaltungsmitarbeiter.
Die Intensivierung und Bündelung der Kommunikation zwischen Nachbar*innen, Club- und Kneipenbesitzer*innen sowie Behörden, aber auch die Realisierung konkreter Projekte für ein sozialverträgliches Nachtleben müssen gefördert werden. Das kann nur umgesetzt werden, wenn ein Ansprechpartner auch vorhanden ist. Gefragt sind an der Schnittstelle zwischen Kommune und Nachtleben nicht zuletzt Seriosität und ein realpolitischer Ansatz.

Darüber hinaus muss der Nachtbürgermeister*in Planungsprozesse einbezogen werden! Die SPD erwähnt dies in ihrem Antrag, ich möchte diesen Punkt aber ausdrücklich hervorheben. Mit einer guten und vorausschauenden Planung können viele Nutzungskonflikte bereits im Vorfeld vermieden werden. Auch hier kann Amsterdam ein Vorbild sein. Dort beziehen die Politiker den Nachtbürgermeister in ihre Entscheidungen mit ein: Wenn sie überlegen, einen neuen Wohnblock zu bauen, prüfen sie gemeinsam mit dem Nachbürgermeister, ob nicht vielleicht direkt daneben ein Ausgehviertel liegt.

Ein Nachtbürgermeister ist nicht die Lösung für alle Nutzungskonflikte. Es ist aber ein Schritt in die richtige Richtung. Deshalb werden wir dem Antrag der SPD zustimmen.

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