DIE LINKE hilft: Sozialberatung in Köln

In Köln berät unser Bezirksvertreter in Chorweiler, Klaus Roth, Menschen im Umgang mit Behörden. Er sorgt u.a. dafür, dass sie Leistungsbescheide verstehen oder hilft ihnen, ihre Ansprüche beim Amt durchzusetzen. Zu seinen Klienten gehören z. B. Menschen im ALG-II-Bezug oder Menschen in Geflüchtetenunterkünften.

Platzjabbeck hat mit ihm gesprochen.

Platzjabbeck: DIE LINKE bietet in Köln Sozialberatung an. Ist das Aufgabe einer politischen Partei?

Klaus Roth: Dieses Angebot macht DIE LINKE nicht nur in Köln, sondern in vielen Städten. Sicher, das unterscheidet uns von anderen politischen Parteien. Aber wir sind eben keine Partei, die für Menschen nur etwas durchsetzen will, sondern die gemeinsam mit den abhängig Arbeitenden, Erwerbslosen und auf verschiedenste Weise diskriminierten Menschen eine solidarische Umgestaltung der Gesellschaft anstrebt. Und zur Solidarität gehört eben auch, diejenigen zu unterstützen, die Hilfe brauchen.

Platzjabbeck: Und worin besteht diese Hilfe?

Klaus Roth: Das kommt auf den Einzelfall an. Es beginnt damit, dass wir Menschen, die nicht deutsch lesen und schreiben können, erklären, was in den Schreiben, die sie erhalten haben, steht. Das betrifft übrigens nicht nur Migranten, die vor kurzem gekommen sind, sondern kommt auch bei Menschen vor, die hier geboren sind. Die nächste Gruppe versteht das Behördendeutsch nicht und weiß daher nicht, wie die Formulare richtig auszufüllen sind. Andere sind unsicher und wünschen eine Bestätigung, dass sie es richtig machen. Und selbstverständlich werden wir gebeten zu prüfen, ob das, was ein Amt geschrieben hat, richtig und rechtens ist.

Ich führe darüber nicht Buch, kann aber sagen, dass unsere Beratung in vielen Fällen zu einer Verbesserung der materiellen Versorgung geführt hat.

Platzjabbeck: Liegt das an Fehlbearbeitungen?

Klaus Roth: Oft ja. Aber da muss man unterscheiden. Ich sage immer: Wo keine Fehler gemacht werden, da wird nicht gearbeitet. An vielen Stellen ist zu wenig Personal, und das führt zu mehr Fehlern. Wenn allerdings für eine Drei-Raum-Wohnung nur eine Lampe bewilligt wird, dann gehe auch ich von Böswilligkeit aus.

Platzjabbeck: Den Ratsuchenden wird also im Einzelfall geholfen, aber dadurch die Probleme ja nicht grundsätzlich gelöst.

Klaus Roth: Die Sozialberatung trägt auch zur Problemlösung bei. Vor der Verabschiedung des Bürgergeldgesetzes konnte ich aus meinen Erfahrungen heraus Kritik am Gesetzentwurf bei einer Anhörung im Bundestag einbringen. In Köln habe ich im letzten Jahr festgestellt, dass in einer Richtlinie der Stadt über einmalige Hilfen seit 2015 trotz der Preissteigerungen die Pauschalen nicht mehr angepasst worden waren. Im Dezember 2022 wurde das dann endlich nachgeholt.

Platzjabbeck: Ist der Bedarf groß?

Klaus Roth: Wir sind ja nicht die Einzigen, die Beratung anbieten. Das machen auch Wohlfahrtsverbände, Interkulturelle Zentren, Religionsgemeinschaften und andere. Und gemeinsam stellen wir fest, dass der Bedarf in den letzten Jahren gewachsen ist. Durch Corona war der Zugang zu den Ämtern zeitweise völlig verschlossen und er ist heute immer noch schwerer als vor Corona. Gleichzeitig werden auf Bundes-, Landes- und in der Folge auch auf kommunaler Ebene die Mittel für Hilfsprojekte immer mehr gekürzt. Deshalb ist es wichtiger geworden, dass wir weitermachen und weitere Berater*innen einsetzen.

Platzjabbeck: Muss man dafür Jurist sein?

Klaus Roth: Nein, ich selbst bin auch kein Jurist. Man muss auch nicht jeden Paragrafen zum Beispiel des SGB II kennen. Man muss nur wissen, wo man ihn nachlesen kann. Das ist im Zeitalter des Internet erst recht kein Hexenwerk. Eine fachliche Einweisung in das Sozialrecht ist sicher Voraussetzung, aber so etwas wird angeboten und von der LINKEN auch finanziert. Ich würde mich über Unterstützung freuen.

Platzjabbeck: Klaus, Danke für dieses Gespräch.

Klaus Roth, 73 Jahre alt, ist schon als Säugling nach Köln gekommen. Als 68er hat er von der Heinemann-Amnestie profitiert, aber die Berufsverbote haben ihn getroffen. Wohin wollte man denn nach einem Studium der Philosophie, Soziologie und Politologie in der ersten Hälfte der 70er Jahre? Ihn hat es in eine Versicherung verschlagen. Dort war er 28 Jahre lang im Betriebsrat, davon 22 Jahre von anderer Tätigkeit freigestellt, in verschiedenen Funktionen. Schon dabei hat er sich nicht auf die Möglichkeiten des Betriebsverfassungsgesetzes beschränkt, sondern seinen Kolleg*innen geholfen, wo immer er das konnte. Er sagt: „Im Grunde mache ich das weiter, nur jetzt mit anderen Menschen.“