Demonstration „Mülheimer Brücke für Alle“
Am 25.01.2025 fand die Demonstration der “Initiative Neue Mülheimer Brücke” statt. Zahlreiche Teilnehmende forderten eine zukunftsfähige und gerechte Neuaufteilung des Verkehrsraums, mit mehr Platz und Sicherheit für Fußgänger:innen und Radfahrende. Auszug aus den Reden von Angela Bankert, Ratsmitglied im Mobilitätsausschuss und verkehrspolitische Sprecherin und Wilfried Kossen, Ratsmitglied im Finanz- und Rechnungsprüfungsausschuss.
Angela Bankert:
"Wir haben an etlichen Stellen mit dem jetzigen Verkehrsdezernenten Differenzen, z.B. beim Thema Ost-West-Achse. Da sind wir gegen einen Tunnel und auch gegen Langzüge, sondern für Taktverdichtung.
Aber was in den letzten zwei Woche an Kampagne gegen Herrn Egerer seitens der Wirtschaft und Autoparteien im Verein mit der Lokalpresse gelaufen ist, finden wir unmöglich. Da war zu lesen, dass Oberbürgermeister Burmester ihn angeblich „entmachtet“ und das „letzte Wort“ zum Thema Mülheimer Brücke an sich gezogen habe.
Dazu ist festzustellen: Der OB hat diese Macht gar nicht. Das letzte Wort hat der gewählte Stadtrat. Und die Verteilung der Kompetenzen regelt die städtische Zuständigkeitsordnung, die ebenfalls vom Rat beschlossen wird.
Wir wollen weder eine autozentrierte Verkehrspolitik des vorigen Jahrhunderts, noch eine Basta-Politik nach Gutsherrenart des vorletzten Jahrhunderts.
Und das Jammern über die Kosten des Gutachtens von 110.000 Euro ist geradezu lächerlich. In der gleichen Sitzung des Mobilitätsausschusses lag eine Vorlage für den Umbau der KVB-Sonderhaltestelle Stadion vor. Dieser vermutlich nicht notwendige Umbau soll bis zu 40 Mio. Euro kosten, darüber verloren die gleichen Parteien kein Wort des Unmuts. Ganz zu schweigen von den Milliardenbeträge für einen Ost-West-Tunnel und den hunderten Millionen für den Ausbau von 34 Haltestellen für 90m-Langzüge. Das alles ist ihnen nicht zu teuer – aber die 110.000 für das Gutachten, die reißen jetzt angeblich ein unakzeptables Loch in den städtischen Haushalt.
Wie schon ein Vorredner bemerkte, ist das Zünglein an der Waage in Sachen Radwege auf der Mülheimer Brücke in der Tat die SPD. Ihr solltet nicht zögern, der SPD-Ratsfraktion eure Meinung dazu mitzuteilen."
Wilfried Kossen:
"Ich wohne in Mülheim, dort an der Frankfurter Straße und erlebe die Mülheimer Brücke fast täglich als Fußgänger oder auch als Radfahrer. Deshalb kenne ich die Konflikte in diesem viel zu schmalen Seitenraum: Zu Fuß nebeneinander gehen, ist kaum möglich. Als Radfahrer zu überholen häufig auch nicht. Die Situation an den Pylonen der Brücke ist gefährlich, weil der Weg dahinter nicht einsehbar ist.
Die Situation für Fuß- und Radverkehr auf der Brücke muss verbessert werden! Auch deshalb, weil die Mülheimer Brücke ein wichtiger Teil einer Radroute sein wird, die entlang des Gürtels von Ehrenfeld über Nippes bis nach Mülheim gehen soll. Es kann nicht sein, dass diese Route auf der Brücke auf einem schmalen Pfad im Seitenraum der Brücke geführt wird.
Pro Richtung eine Spur für den Radverkehr muss das Ziel sein!
Mich ärgert die Debatte, die –angestoßen von den Autoparteien– derzeit über die Medien geführt wird. Da wird so getan, als wären die Vertreter und Vertreterinnen des Fuß- und Radverkehrs erst jetzt aufgewacht und nun seien keine Verbesserungen mehr möglich.
Das Gegenteil ist der Fall: Von Anfang an, schon in der Planung der Sanierung haben sich Initiativen und Vereine dafür eingesetzt, dass mit der Sanierung gute Bedingungen für den Fußverkehr und den radverkehr geschaffen werden. Und auch Teile der Politik haben sich von Anfang an dafür eingesetzt.
Was wurde ihnen und uns damals entgegnet? – Das wäre technisch zu aufwändig. Das wäre zu teuer. Dass dieser Grund vorgeschoben war, zeigen die gewaltigen Kostensteigerungen bei der Sanierung, die -für das Auto- hingenommen wurden.
Der einzige Weg zu einer Verkehrsführung, die nicht nur dem Auto gerecht wird, sondern auch den Fußverkehr und dem Radverkehr, ist eine Neuaufteilung der Flächen!
Ein weiterer Punkt noch: Es geht hier auch um die Gesundheit der Mülheimerinnen und Mülheimer. Die Pkw und die Lastwagen, die hier über die Brücke fahren, kommen vorher vom Clevischen Ring.
In der Umgebung des Clevischen Rings gibt es eine der höchsten Belastungen mit Verkehrslärm und Luftschadstoffen in Köln. Dort wurden über Jahre die Grenzwerte gerissen. Die Situation hat sich erst gebessert, als für die Sanierung der Mülheimer Brücke die Hälfte der Spuren gesperrt wurde.
Zu den Zuständen davor wollen wir nicht zurück! Für die Gesundheit der Menschen in Mülheim muss der motorisierte Verkehr auf der Mülheimer Brücke und damit auch am Clevischen Ring reduziert bleiben.
Da, wo es möglich ist, muss der motorisierte Verkehr raus aus dem Zentrum von Mülheim. Motorisierter Verkehr zum Niehler Hafen und in die Industriegebiete im Kölner Norden muss, soweit das möglich ist, über die Autobahnbrücke in Leverkusen geführt werden."

