Das Migrationsmuseum Selma muss rechtsrheinisch bleiben!

In Köln soll das bundesweite Museum für Migration entstehen, das Museum Selma. Erst kurz vor der Sitzung haben die Ratsmitglieder erfahren, dass die Verwaltung den lange Zeit vorgesehenen Standort in Kalk aus Kostengründen aufgeben will. Stattdessen soll das Museum am Neumarkt untergebracht werden und dort hauptsächlich die Sonderausstellungsräume des Rautenstrauch-Joest-Museums nutzen. Weil Die Linke damit nicht einverstanden ist, haben wir einen Änderungsantrag gestellt. Das sagte unser kulturpolitischer Sprecher Knut Scholz dazu:

 

„In einer Zeit, in der migrantisches Leben zunehmend unter Beschuss gerät, in der sich der öffentliche Diskurs spürbar verschärft und feindseliger wird, wäre ein Migrationsmuseum wie „Selma“ ein dringend notwendiges Signal gewesen. Ein Signal der Anerkennung. Ein Signal dafür, dass Migration ein selbstverständlicher Teil unserer Stadtgesellschaft ist.

Und dieses Signal hätte seinen Ort haben sollen: in Köln-Kalk. In einem Stadtteil, der wie kaum ein anderer für die Realität dieser Einwanderungsgesellschaft steht. In den Hallen der ehemaligen Klöckner-Humboldt-Deutz AG, wo nach den Anwerbeabkommen viele migrantische Arbeiter tätig waren.

Dass dieser Plan nun gescheitert ist, ist mehr als nur eine verpasste Chance. Es ist ein Armutszeugnis für die verantwortlichen Akteure.

Denn machen wir uns nichts vor: Das ursprüngliche Konzept für „Selma“ war auf Kalk zugeschnitten – räumlich, sozial, kulturell. Die Hallen Kalk hätten nicht nur Platz geboten, sondern auch einen passenden historischen Kontext. Hier hätte ein bundesweit einzigartiges Migrationsmuseum entstehen können – mit Strahlkraft weit über Köln hinaus. Ein Projekt, das in Kalk und darüber hinaus viel Hoffnung geweckt hat. Und diese Hoffnung wurde enttäuscht.

Stattdessen wird nun versucht, dieses Konzept auf weniger als einem Fünftel der ursprünglich geplanten Fläche zu schrumpfen und am Neumarkt unterzubringen. Das ist keine Weiterentwicklung – das ist ein Rückbau. Zu glauben, dass daraus „das Migrationsmuseum Deutschlands“ entstehen kann, ist eine Illusion.

Gleichzeitig entsteht der Eindruck, dass in dieser Stadt sehr wohl Geld vorhanden ist – nur eben nicht für solche Projekte. 15 Millionen Euro für den Tanzbrunnen, 40 Millionen für eine Stadionhaltestelle – aber ein kulturelles Leuchtturmprojekt in Kalk scheitert? Was sagt das über die Prioritäten dieser Stadtspitze aus?

Für viele Menschen rechts des Rheins bestätigt sich damit ein altbekanntes Gefühl: dass ihre Stadtteile zweitrangig behandelt werden. Dass große Versprechen gemacht, aber nicht gehalten werden.

Deswegen stellen wir einen Änderungsantrag der folgende Punkt fordert:

Erstens muss dem Museum Selma langfristig eine Perspektive in Köln Kalk aufgezeigt werden und das Kulturzentrum am Neumarkt soll nicht als Dauerlösung begriffen werden. Wir sagen klar: Das Kulturzentrum am Neumarkt kann allenfalls eine Übergangslösung sein – keine endgültige. Wir fordern, weiterhin nach einem geeigneten Standort zu suchen, insbesondere im rechtsrheinischen Köln. Der ursprüngliche Anspruch dieses Projekts darf nicht aufgegeben werden.

Sollte Selma doch erst mal an den Neumarkt ziehen, wollen wir die Verwaltung zweitens beauftragen, die rechtsrheinische Sichtbarkeit und Präsenz von Selma umso stärker voranzutreiben. Dafür sollen Ausstellungsflächen gesucht werden, die den Hauptstandort am Neumarkt im Rechtsrheinischen ergänzen.

Drittens muss die Halle 70 muss dauerhaft für kulturelle und gemeinwohlorientierte Nutzungen gesichert werden. Wir fordern die Stadt auf, entsprechende Perspektiven für das Areal zu entwickeln und vorzulegen. Ziel muss es sein, den Standort weiterhin als lebendigen kulturellen Ort im rechtsrheinischen Köln auszubauen. Die Halle 70 darf nicht zur Spielwiese für Investoren werden. Sie muss ein Ort der Kultur und des Gemeinwohls werden. 

Dafür muss die Stadt auch wirkungsvolle Maßnahmen ergreifen, um den anhaltenden Vandalismus an der Hallen 71 zu unterbinden.

Uns als Linke ist es auch wichtig zu betonen, dass ein Migrationsmuseum nicht in den Kontext eines ethnologischen Museums gehört, da Migration so als etwas „Fremdes“ oder „Exotisches“ gerahmt wird. Migration ist und bleibt fester Bestandteil unserer Gesellschaft und unserer Geschichte.

Denn eines ist klar: Kulturpolitik ist immer auch Gesellschaftspolitik. Und die Frage, ob ein Projekt wie „Selma“ in Kalk scheitert oder gelingt, ist nicht nur eine Frage der finanziellen Situation, es ist auch eine Frage der Haltung. Selma gehört nach Kalk! Dafür machen wir uns als Linke stark!“

Unser Änderungsantrag wurde angenommen und der so geänderte Prüfantrag der Verwaltung beschlossen. Damit haben wir einen Beschluss herbeigeführt, dass das Museum langfristig im Rechtsrheinischen angesiedelt werden muss.