Ein Baum ist kein Wald
Wälder filtern Luftschadstoffe, reinigen und speichern unser Trinkwasser. Sie halten den Boden fest, schlucken Lärm und schaffen ein angenehmes Regionalklima. Wälder sind Heimat verschiedenster Tier- und Pflanzenarten und bedeutender Erholungsraum für uns Menschen.
Der 21. März ist traditionell der „Tag des Waldes“, den die FAO (Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen) bereits in den 1970er Jahren als Reaktion auf die globale Waldvernichtung ins Leben gerufen hat.
Da der Umweltgedanke systematisch zurückgedrängt wird, greift man in diesem Jahr zu einer neuen Taktik und rückt mit der dem Thema „Wälder und Wirtschaft“ mal das Geld in den Fokus.
Wurde der Wald lange (und bei vielen heute noch) als reiner Holzlieferant betrachtet, kann man heute intelligenter sein und erkennen, dass der Wald das Fundament für eine nachhaltige, globale Bioökonomie bildet. Er liefert nicht nur den Rohstoff Holz und sichert Arbeitsplätze, sondern schützt Werte in Billionenhöhe.
Experten schätzen, dass über 50 Prozent des weltweiten Bruttoinlandsprodukts direkt oder indirekt von der Natur und damit maßgeblich von intakten Wäldern abhängt. Ob die Bereitstellung sauberen Trinkwassers oder der Schutz der Böden und die Regulierung des Klimas, Wälder leisten Ökosystemdienstleistungen, die für moderne Volkswirtschaften unbezahlbar sind. Sie fungieren als natürlicher Schutzschild gegen klimabedingte Katastrophen, deren Folgeschäden ohne den Rückhalt intakter Wälder jährlich Milliardenkosten verursachten.
Auch in Köln werden wieder verstärkt Bäume gepflanzt. Zwar noch zu wenig, aber allein im Pflanzzeitraum 2024/2025 wurden 71 Straßenbaumneupflanzungen und 333 Straßenbaumersatzpflanzungen in herkömmlicher Bauweise durchgeführt. Außerdem wurden 93 Bäume (19 davon rechtsrheinisch) mit drei neuentwickelten Methoden gepflanzt, geht aus einer Antwort auf eine Anfrage der Linken hervor.
Deutschlands berühmtester Förster, Peter Wohlleben schreibt in seinem Buch Das geheime Leben der Bäume: „Ein Baum ist kein Wald, kann kein lokales ausgeglichenes Klima herstellen, ist Wind und Wetter schutzlos ausgeliefert. Zusammen dagegen schaffen viele Bäume ein Ökosystem, das Hitze- und Kälteextreme abfedert, eine Menge Wasser speichert und sehr feuchte Luft erzeugt. In so einem Umfeld können Bäume geschützt leben und uralt werden.“
Darum gibt es in der Stadt mittlerweile mehrere Ansätze. So werden eben neuentwickelte Pflanzmethoden erprobt. Ein umfassendes Baummanagement von der Pflanzung bis zum Altbaum wird zukünftig ebenfalls nötig sein. Dieses muss optimale Standortvoraussetzungen und Pflanzenauswahl (hohe Biodiversität bietet größere Sicherheit gegenüber Ausfällen) integrieren. Dazu gibt es ein neues Bewässerungskonzept, das unter anderem eine verstärkte Wässerung der Jungbäume bis zum fünften Standjahr vorsieht.
Daneben werden nicht zuletzt wegen des Engagements diverser Bezirksvertretungen Flächen für Mini-Wälder gesucht, identifiziert und bepflanzt. Viele kleine Schritte, die unser aller Leben besser machen.

