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Sozial- und Erziehungsberufe brauchen mehr: Klatschen reicht nicht!

Foto: tolmacho auf Pixabay

Ratsrede Heiner Kockerbeck 17.3.22 – Sozial- und Erziehungsdienste

Sehr geehrte Frau Oberbürgermeisterin, sehr geehrte Damen und Herren,

seit dem 25.2. finden die Tarifverhandlungen für die Beschäftigten in den Sozial- und Erziehungsdiensten statt. Es geht den Gewerkschaften bei diesen um eine sichtbare Wertschätzung ihrer Arbeit: durch bessere Arbeitsbedingungen, höhere Gehälter. Untrennbar mit diesen Hauptforderungen ist die dritte verbunden: eine Bekämpfung des Fachkräftemangels.

Denn in den erzieherischen und sozialen Dienstleistungen der Kommunen, z.B. von Erzieher:innen, Sozialarbeiter:innen und Beschäftigten in der Behindertenhilfe, gibt es eine weit verbreitete Unzufriedenheit und deshalb eine hohe Personalfluktuation. Das Deutsche Jugendinstitut geht davon aus, dass bis 2025 bundesweit 1,2 Millionen Kitaplätze und 300.000 Fachkräfte fehlen.

Für die Familien nicht nur in Köln bedeutet das, dass es weiterhin große Probleme für sie geben wird, einen Kitaplatz für ihr Kleinen zu finden. Haben sie ihn dann gefunden, sind u.U. lange Anfahrtswege zur Einrichtung in Kauf zu nehmen. Dies betrifft also die Lebensqualität für viele Menschen in Köln und die Frage der Vereinbarkeit von Familienleben und Beruf. Damit es hier Verbesserungen gibt, müssen Kommunen, Länder und Bund mehr in die sozialen und erzieherischen Dienstleistungen investieren. Sie sind seit Jahren unterausgestattet.

Jetzt beantragen die Grünen, CDU und Volt, den Antrag so aufzuteilen, dass der Rat die Forderungen aus den Erziehungs- und Sozialdiensten zwar allgemein unterstützt, dass die Finanzierung aber von Land und Bund vorzunehmen sei. Der Kern des Antrags der SPD sind dann aber die beiden letzten Punkte des Antrags, dass die Stadt Köln als viertgrößte Stadt der Bundesrepublik, die auf Arbeitgeberseite mit am Verhandlungstisch sitzt, für Verbesserungen für die Beschäftigten einsetzt. Grüne, CDU und Volt wollen also, dass Bund und Land bezahlen, aber nicht die Kommune. Das ist leider das alte Schwarz-Peter-Spiel, dass die bestehenden Blockaden nicht auflöst.

Dem kann man nur entgegnen: Klatschen vom Balkon reicht nicht!

Erzieher:innen, Sozialarbeiter:innen und andere Beschäftigte der sozialen Dienstleistungen brauchen mehr Gehalt und bessere Arbeitsbedingungen. Die Stadt muss bei sich selbst anfangen und sich als Mitglied des Kommunalen Arbeitgeberverbandes dafür einsetzen, dass es bei den Tarifverhandlungen zu einem schnellen und guten Ergebnis im eben beschriebenen Sinn kommt. Als viertgrößte Stadt Deutschlands findet ihre Stimme im Verband Gehör.

Klatschen reicht nicht!

Basis unserer Arbeit: Das Kommunalwahl-programm 2020

Hans Günter Bell