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Warum hat Köln kein Marx-Denkmal?

Vor 200 Jahren, am 5. Mai 1818, wurde Karl Marx in Trier geboren – Anlass für die im Westen von Rheinland-Pfalz gelegene Stadt, eine „Große Landesausstellung“ unter dem Titel „Karl Marx 1818–1883. Leben. Werk. Zeit“ zu veranstalten. Sie bildet das Flaggschiff von insgesamt rund 600 Veranstaltungen in Trier und der Region, die zum Marx-Jubiläum geplant sind.

Auch die Stadt Köln wird Karl Marx, den großen und international bekannten und einflussreichen Philosophen, Ökonomen, Gesellschaftstheoretiker, politischen Journalisten und Flüchtling, dauerhaft und sichtbar ehren. Karl Marx und sein Werk werden so präsenter für die Einwohner*innen sowie für die vielen Besucher*innen der Stadt dauerhaft dargestellt.

Karl Marx und Köln stellen eine untrennbare Verbindung dar. Zu Recht widmet sich der Kölner Stadtanzeiger daher auch der Präsentation von Karl Marx und seiner Werke. Auch die Stadt Köln wird dies nun tun.

Ab dem 1. Januar 1842 wurde die Schildergasse 99 die Heimat der „Rheinische Zeitung für Politik, Handel und Gewerbe“ – ein Blatt, das, so Friedrich Engels, „nach fünfzehnmonatigem Bestehen unterdrückt wurde, von dem man aber den Beginn des modernen Zeitungswesens in Deutschland datieren kann“. Der wichtigste Mitarbeiter dieser Zeitung,  die von liberalen Kölner Kaufleuten und Bankiers, darunter auch Dagobert Oppenheim, finanziert wurde, war der 24 jährige Karl Marx, dessen erster Artikel in der  Ausgabe vom 5. Mai 1842 erschien. Es ging darin um  das Thema „Freiheit“, vor allem die Pressefreiheit, die in Preußen ständig unterdrückt wurde.  Bereits wenige Monate später, am 15. Oktober 1842 wurde Marx zum Chefredakteur befördert. Ein erfolgreicher Chefredakteur, unter dessen Leitung die Auflage mehr als verdreifacht wurde.

So befindet sich in der Schildergasse 99, nicht wahrnehmbar für die Öffentlichkeit und daher auch leider unbeachtet von dieser, der Ort zweier weltbewegender Ereignisse:

Karl Marx und Friedrich Engels haben sich im November 1842 im Redaktionsbüro der Rheinischen Zeitung in der Schildergasse 99 erstmals getroffen. Bald – allerdings mittlerweile in Paris - wurden sie beste Freunde. (Der „Rheinische Zeitung“, von König Friedrich Wilhelm IV. „die Hure am Rhein“ genannt, war „wegen Zügellosigkeit des Ausdrucks und der Gesinnung“ die Druckerlaubnis entzogen worden.) 1845 erschien die erste gemeinsame Schrift von Marx und Engels, „Die heilige Familie“, mit der sie begannen, ihr Theorieverständnis zu formulieren. Später entwarfen sie zusammen ihre so folgenreiche revolutionäre Gesellschaftstheorie.

Der Kern des Marxismus ist die Auseinandersetzung mit der Ökonomie. In der Schildergasse in Köln beschäftigte sich Marx erstmals mit diesem Thema. Marx selbst schrieb dazu: „Im Jahr 1842/43, als Redakteur der „Rheinischen Zeitung„, kam ich zuerst in die Verlegenheit, über sogenannte materielle Interessen mitsprechen zu müssen. Die Verhandlungen des Rheinischen Landtags über Holzdiebstahl und Parzellierung des Grundeigentums, Debatten endlich über Freihandel und Schutzzoll, gaben die ersten Anlässe zu meiner Beschäftigung mit ökonomischen Fragen.“

In der Schildergasse 99 steht also die Wiege des Marxismus. Aber weder an diesem Ort noch sonst wo in Köln erinnert bisher irgendwas daran, ein Defizit, das bereits Heinrich Böll reklamierte: „Warum hat Köln kein Marx-Denkmal?“ schrieb er 1961. „Will Köln seine kommunistische Vergangenheit, seine Bedeutung für die sozialistische Bewegung, verleugnen? Das wäre schade. Immerhin waren’s rheinische Liberale, die Marx das Kapital gaben, um gegen den Kapitalismus zu schreiben. Das waren noch Zeiten!

Aber die Geschichte geht ja weiter und als Marx und Engels im April 1848 aus Paris nach Deutschland zurückkehren um die März-Revolution 1848 voran zu bringen, ziehen sie ausdrücklich nicht in die preußische Hauptstadt Berlin, sondern nach Köln, wo sie die Rheinische Zeitung wiederbeleben wollen. Dies tun sie durch Gründung der „Neuen Rheinischen Zeitung“, in die Marx seine gesamten Ersparnisse steckt.  Marx wird Chefredakteur der neuen Zeitung, Engels sein Stellvertreter. In dieser Redaktion entsteht neben vielen anderen Texten ein Flugblatt, das eine Reihe hochmoderner Forderungen enthält: „Ganz Deutschland wird zu einer einigen, unteilbaren Republik erklärt. – Jeder Deutsche, der 21 Jahre alt ist, ist Wähler und wählbar. – Die Volksvertreter werden besoldet, damit auch der Arbeiter im Parlament des deutschen Volkes sitzen könne. – Die Gerechtigkeitspflege ist unentgeltlich.“ Am 6. Mai 1849 verlas Marx im überfüllten Gürzenich sein „Manifest der Kommunistischen Partei“, in dem die „Geschichte aller bisherigen Gesellschaften“ als „Geschichte von Klassenkämpfen“ bezeichnet wurde. Kurze Zeit später ordnete die preußische Regierung seine Ausweisung an. Er musste Köln binnen 24 Stunden verlassen und floh unter falschem Namen nach Paris. Eine unscheinbare Plakette am Heumarkt 65 erinnert an diesen zweiten bedeutungsvollen Aufenthalt von Karl Marx in Köln, aber sowohl Druckerei als auch Redaktionsbüro waren zunächst gar nicht hier, sondern An St. Agatha 12. – wo ebenfalls, wie an Schildergasse und Gürzenich, nichts auf dieses Kapitel der  Weltgeschichte verweist.

Das Kölner Stadtarchiv besaß eine große Sammlung von Originaldokumenten zur Geschichte der beiden Zeitungen und zu Marx‘ Rolle als Journalist und Revolutionär. Fragmente daraus wurden 1985 in einem Ausstellungskatalog „Karl Marx in Köln 1842 – 1852“ herausgegeben. Der größte Teil aber wurde 2009 verschüttet und scheint seitdem unwiederbringlich verloren. Ein Grund mehr für Köln, Marx im Stadtbild endlich einen angemessenen Platz einzuräumen.

Weil sein Hauptwerk "Das Kapital" mit vielen grundlegenden Erkenntnissen und empirischen Daten aufwartet, gilt Marx heute als "Begründer der systematischen Sozial- und Wirtschaftsgeschichte", wie sein Biograf  Gareth Stedman Jones es einmal formulierte. Marx wurde 2003 in der Sendung Unsere Besten in der Rangliste der größten Deutschen hinter Konrad Adenauer und Martin Luther auf Platz drei gewählt, noch vor Willy Brandt oder Johann Sebastian Bach.

Karl Marx ist der einflussreichste Theoretiker des Kommunismus, dessen Schriften die Arbeiterbewegungen des 19. und 20. Jahrhunderts weltweit, von den sozialistisch-kommunistischen Bewegungen Russlands und Deutschlands (SPD, KPD) bis zu denen Lateinamerikas und Ostasiens auf sehr unterschiedliche Weise geprägt haben. 

Marx‘ Hauptschriften "Manifest der Kommunistischen Partei" und  "Das Kapital. Erster Band" gehören zum UNESCO-Weltdokumentenerbe. Wobei ersteres zeitweilig öfter gedruckt wurde als die Bibel und letzteres als eines der  einflussreichsten Bücher der Menschheitsgeschichte gilt. Seine Relevanz hat es bis heute behalten. Auf dem Höhepunkt der sozialistischen und der kommunistischen Bewegung in den 70er Jahren beriefen sich Regierungen in 60 Staaten auf die Lehre von Karl Marx, deren Aktualität auch im Rahmen der globalen Wirtschaftskrise von 2008/09 immer wieder betont und zitiert wurde. Ob Armutsrevolten, Finanzcrash, Klimakrise  oder Massenflucht – Karl Marx hat all das vorausgesehen und analysiert. Nicht nur „linke“ Politiker und Autoren sind sich darin einig. Auch Erzbischof Reinhard Marx warnte davor, seinen Namensvetter zu unterschätzen und nannte „wilde Spekulation“ eine „Sünde“ gegen die katholische Soziallehre.  Auch wichtige Schriftsteller und Philosophen wie z.B. Walter Benjamin und Jean-Paul Sartre wurden von Marx beeinflusst, und George Bernard Shaw sagte einmal, seine Schriften hätten wie „eine Offenbarung“ auf ihn gewirkt. „Er vermittelte mir eine völlig neue Auffassung vom Universum, gab mir ein Ziel und einen Lebensauftrag.“


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Im Fraktionsstatut ist die Zusammensetzung und Arbeitsweise des Mittwochskreises geregelt.

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Wilfried Kossen

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