Gemeinschafts-, Ganztags-, Gesamtschule ? Fortschritt oder Mogelpackung?
Erfolgreiche Diskussionsveranstaltung der LINKEN am 19. August im Altenberger Hof
Eine neue Gesamtschule in Köln-Mitte fordert DIE LINKE. Köln in ihrem Kommunalwahlprogramm und verweist auf die über 800 Fünftklässler, die mangels Plätzen von den vorhandenen acht Gesamtschulen abgelehnt werden mussten. Mit einer Diskussionsveranstaltung im Altenberger Hof in Köln-Nippes wollten wir dieser Forderung Nachdruck verleihen.
Aus Wiesbaden kam Jannine Wissler, die Fraktionsvorsitzende der LINKEN im hessischen Landtag. In Hessen hatte CDU-Ministerpräsident Roland Koch seine (erste) Wahl vor allem wegen der Bildungspolitik verloren: Der Kampf der CDU-Regierung gegen die Gesamtschulen, ein Bildungssystem der frühen Auslese, dazu kam die besonders stümperhafte Umsetzung der Schulzeitverkürzung in den Gymnasien, der Unterrichtsausfall, der mit Rentnerinnen und Rentnern, mit Menschen ohne pädagogische Ausbildung kompensiert werden sollte ? das hatte der CDU in Hessen Wählerstimmen gekostet.
Mit all diesen Mängeln haben sich nun die hessischen Landtagsabgeordneten der LINKEN auseinanderzusetzen. Die Gemeinschaftsschule für alle Kinder von der Klasse eins bis zehn, das Ziel der LINKEN Bundespartei steht auch bei den hessischen LINKEN im Vordergrund.
Niema Movasat, aussichtsreicher Kandidat der LINKEN auf der nordrhein-westfälischen Landesliste für die Bundestagswahl, bekräftigte das Ziel der einen Schule für alle. Warum benutzt die LINKE in ihrer Programmatik nicht mehr den Begriff der Gesamtschule, wurde er gefragt. Ist der Begriff verpönt, verbrannt? Darum gab es heftige Kontroversen. Politisch sei die Gesamtschule an ihrem Anspruch gescheitert, ist sie doch nur in einigen Bundesländern, und dort nur als vierte oder fünfte Schulform eingeführt worden ? neben den nach wie vor bestehenden ?Förderschulen?, wie die Sonderschulen nun beschönigend heißen.
Deshalb hat sie das Problem der Auslese nicht lösen können. Deshalb brauchen wir einen neuen Anlauf für eine inklusive Schule, in der alle Kinder gemeinsam lernen, unter Einschluss der nun in Förderschulen und in Hauptschulen ausgesonderten, darin waren sich schließlich alle einig, forderte Niema Movassat.
Wie kommen wir dem Ziel der einen Schule für alle näher? In Köln steht als nächster Schritt die Gründung einer neuen Gesamtschule an, dafür tritt die Partei mit einer Unterschriftensammlung ein, und dafür hat die LINKE Ratsfraktion, vertreten durch Özlem Demirel, einen Antrag im Rat eingebracht. Der Elternwille ist zu respektieren. Deren Kinder brauchen heute und sofort bessere Bildungschancen. Und nach dem Desaster der Gymnasien bei der Umsetzung von G8 ohne jede pädagogische, personelle und räumliche Voraussetzung wird die nach wie vor neunjährige Gesamtschule mit einem eingespielten Ganztagsbetrieb für immer mehr Eltern und Kinder attraktiver, führte Özlem Demirel aus.
Klar, wir müssen die Diskussion um eine Schule für alle in der Bevölkerung, im Rat weiter führen. Aber das kann uns nicht davon abhalten, hier und jetzt für eine neue Gesamtschule einzutreten, für die sich ja auch in Nippes schon eine Elterninitiative gebildet hat. Auch, wenn sich die Lokalpresse weigert, darüber zu berichten ? es ist auf die Initiative der LINKEN zurück zu führen, dass die Diskussion um eine neue Gesamtschule nicht auf den Sankt Nimmerleinstag verschoben, sondern mit einer Befragung der Grundschuleltern auf die Tagesordnung gesetzt wird.
Durch die argumentative Unterstützung durch Jannine Wissler, Niema Movasat und die Diskussionsteilnehmerinnen und ?teilnehmer im Altenberger Hof sind wir einen Schritt auf dem Weg weiter gekommen, stellte Özlem Demirel abschließend fest.
