Kulturticket für Studierende und Azubis

Knut Lennart Scholz

„Her mit dem schönen Kulturleben!“ lautet eine der Forderungen aus dem Kommunalwahlprogramm der LINKEN. Der Kampf für mehr soziale Gerechtigkeit im Kulturbetrieb ist wichtig und für den Zusammenhalt einer Stadtgesellschaft unabdingbar. Der Zugang zu Kölner Kulturinstitutionen wie der Philharmonie und der Oper oder der Eintritt in eines der vielen Museen Kölns ist für viele finanziell schwächer gestellte Menschen eine hohe Hürde, die ein vielfältiges Kulturleben, an dem alle unabhängig vom Einkommen teilnehmen können, oft verhindert. Bisher gibt es in den meisten Kulturstätten Vergünstigungen für Student*innen, Schüler*innen, Schwerbehinderte und Köln-Pass-Inhaber*innen. In der Philharmonie spart man ca. 25 % des Preises, in der Oper sogar die Hälfte. Wollte man nun also, um so richtig in Weihnachtsstimmung zu kommen, eine ermäßigte Karte für das Weihnachtsoratorium von Johann Sebastian Bach kaufen, das in der Philharmonie gespielt wird, müsste man in der dritten Preiskategorie statt 35 Euro nur noch 27 Euro bezahlen. Sehr erschwinglich ist das nicht und zu glauben, diese Vergünstigung wäre eine effektive Maßnahme, die zielgerichtet Menschen mit weniger Geld zu Kulturgenuss verhilft, ist eine Illusion.

In der vergangenen Ausschusssitzung legte die SPD zum zweiten Mal ihren Prüfantrag „Kölner Kulturticket für Studierende und Azubis“ vor. Die konkrete Forderung war, die Verwaltung die Einführung eines Kulturtickets prüfen zu lassen, mit dem Kölner Student*innen und Auszubildende vergünstigt oder sogar kostenfrei Zugang zu kulturellen Veranstaltungen auf städtischen Bühnen und den Sammlungen der städtischen Museen erhalten. Nach Angaben der SPD beträgt zum Beispiel die Auslastung der Bühnen Köln in der Spielzeit 09/19 bis 02/20 im Durchschnitt 77 %. Das bedeutet nach den Plänen der SPD, dass regelmäßig Restkarten übrigbleiben, die an Student*innen und Azubis über eine App mit Ampelsystem für die jeweilige Restkartenkapazität der Veranstaltung vermittelt werden. Als Vorbild nennt der Antrag ein System, das in Bonn bereits etabliert sei. In der Regel eine Woche vor der Veranstaltung gibt die App Auskunft über die verfügbare Menge an Restkarten und für 3 Euro können Kultur-Ticket-Inhaber*innen sich die Karten kaufen. Gespräche, die die SPD mit dem Allgemeinen Studierendenausschuss der Universität zu Köln führte, ergaben eine grundsätzliche Sympathie für ein solches System.

Als LINKE begrüßen wir das Vorhaben grundsätzlich. Dennoch sehen wir an einigen Stellen Nachbesserungsbedarf, sodass wir einen Änderungsantrag stellten. Warum zum Beispiel sollten Köln-Pass-Inhaber*innen nicht von weitergehenden Vergünstigungen profitieren? Wozu braucht es den Umweg über ein Kultur-Ticket, wenn doch sehr leicht zum Beispiel durch einen Schüler*innen- oder Student*innenausweis zu belegen ist, dass man der Zielgruppe der Vergünstigung angehört? Behindertenausweis und Köln-Pass können genauso vorgelegt werden. Unser Änderungsantrag stellt also mit der Zielgruppe der Köln-Pass-Inhaber*innen sozialpolitisch zielgerichtetere Forderungen und zeigt einen unkomplizierteren Weg auf, der auf die Hürde des zu beantragenden Kultur-Tickets verzichtet.

Während die Grünen beteuerten, dass genug für Köln-Pass-Inhaber*innen getan worden sei und die CDU der Meinung ist, dass die Eintritte für die genannten Personengruppen bereits günstig genug wären, bleiben finanziell schwächer gestellte Menschen vom schönen Kulturleben in vielen Bereichen ausgeschlossen. Resttickets bleiben vakant. Was aus dem Antrag der SPD und dem Änderungsantrag der LINKEN wird zeigt sich hoffentlich in der nächsten Sitzung, da das Thema erneut geschoben wurde. Wir als LINKE werden uns jedenfalls weiter für ein „schönes Kulturleben“ einsetzen, das niemanden von Kulturgenuss ausschließt.