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Heiner Kockerbeck

Inhaltlich überzeugt das Konzept der „Historischen Mitte“ immer noch nicht

Rede von Heiner Kockerbeck am 14. Dezember 2021

Sehr geehrte Frau Oberbürgermeisterin, sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen des Rats, die Kosten für den Bau der „Historischen Mitte“ werden laut Vorlage auf dem jetzigen Stand auf 183 Millionen Euro geschätzt. Beim Ratsbeschluss 2018 lag die Schätzung noch um 48 Millionen Euro niedriger, also bei 135 Millionen Euro.

2015 war im Rat in einer Kehrtwende von SPD, Grünen und CDU die grundsätzliche Entscheidung gefallen, Römisch-Germanisches Museum und Stadtmuseum sowie ein Verwaltungsgebäude der Katholischen Kirche am Roncalliplatz zusammenzuführen. DIE LINKE war und ist dagegen für die zuvor im Rat beschlossenen Alternative, beide Museen an ihrem ursprünglichen Standort gründlich zu sanieren und die beiden Ausstellungen zu erneuern. Bereits damals hatte meine Fraktion kritisiert, dass die Kosten für die „Historische Mitte“ künstlich heruntergerechnet wurden. Diese Einschätzung wird jetzt bestätigt. In den Erläuterungen für die erhöhten Baukosten werden beispielsweise der schwierige Untergrund für ein Bauwerk auf dem Grundstück und die Kosten durch Zeitverzögerungen aufgrund archäologischer Untersuchungen angegeben. Das ist nun wirklich unverständlich. Jeder Bauherr, der im Stadtzentrum baut, rechnet mit diesen Faktoren für erhöhte Baukosten.

Und in den nun genannten 183 Millionen Euro sind noch nicht einmal die Kosten der nötigen Sanierung des Zeughauses enthalten, in dem seit den 1950er Jahren das Stadtmuseum untergebracht war. Diese Kosten müssen zu den Kosten für den Neubau am Dom addiert werden, wenn wir von einer Sanierung der Kulturgebäude sprechen. Meine Fraktion geht zumindest davon aus, dass das rund 400 Jahre alte Zeughaus weiter im Eigentum der Stadt bleiben wird und der Öffentlichkeit zur Verfügung steht. Dies wird wohl niemand im Rat anders sehen wollen.

Inhaltlich überzeugt das Konzept der „Historischen Mitte“ immer noch nicht. Warum soll das Kölnische Stadtmuseum nicht in seinem bisherigen Domizil, dem Zeughaus, bleiben? Auch die heutigen Reden haben das nicht schlüssig erklären können.

Der Änderungsantrag von Grünen, CDU und Volt geht auf Kritikpunkte der Diskussion der letzten Wochen ein, ändert aber nichts an den grundlegenden Problemen des Projekts. Die Stadt wird es mit weiteren riesenhaften und äußerst kostenträchtigen Aufgaben bei der Sanierung mehrerer städtischer Museen in der Innenstadt zu tun bekommen. Da hilft auch kein Maßnahmen- und Kostenplan, wie der heute eingereichte Änderungsantrag des Ratsbündnisses ihn fordert. Im Gegenteil: Im Moment wird die Eröffnung der neuen Museumsgebäude am Roncalliplatz für Mitte 2029 erwartet. Ob dieser Termin gehalten werden kann, steht wohl in den Sternen.

Es besteht die Gefahr, dass die Stadt sich unnötig mit der „Historischen Mitte“ in einem neuen Bauprojekt im Kontext dringender anderer Anforderungen verzettelt, anstatt sich auf die Sanierung der bestehenden städtischen Häuser zu konzentrieren. Deshalb stimmen wir mit „nein“.

Basis unserer Arbeit: Das Kommunalwahl-programm 2020

Hans Günter Bell