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Jörg Kobel

Ein echtes Filmhaus für Köln?

Foto: Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0

Es gibt ein Missverständnis in dieser Stadt über den Film, weil wir mit dem WDR die größte ARD-Anstalt und mit der RTL-Gruppe die größte private Fernsehfamilie beherbergen. Dadurch entsteht der Eindruck, dass Film automatisch mit viel Geld verbunden wäre bzw. sein müsse. Wir verfügen zudem über zwei öffentliche Filmhochschulen, KHM und IFS, sowie private Institute und berufliche Ausbildungsmöglichkeiten im Bereich Mediengestalter und Veranstaltungstechniker.

Was ist aber mit nichtakademischen und nichtkommerziellen Filmbedürfnissen der Bürger dieser Stadt? Wer gibt jungen Menschen aus der Vorstadt die Möglichkeit etwas über Film zu lernen? Wer berät Eltern, Lehrer und Schüler im Umgang mit Medien? Wer zeigt Filme, die sich nicht gegen Blockbuster im Kinoprogramm behaupten müssen? Wer bietet einen Ort über Film zu sprechen ohne ein Ticket oder ein Getränk kaufen zu müssen?

Nach einer langen Diskussion über operative Medienarbeit, die Gegenöffentlichkeit ermöglichen sollte, entstanden deshalb seit Ende der 1970er Jahre in der BRD „Filmhäuser“ oder „Filmbüros“. Sie verstanden sich als Orte, die eine abseits des offiziellen Filmschaffens lokalisierte, politisch und ästhetisch unabhängige Filmpraxis ermöglichen sollten. Anfangs mit bescheidenen Budgets ausgestattet und meist auf der Basis ehrenamtlicher Arbeit, versuchten sie, eine regionale Film- und Kinopraxis aufzubauen. Mit der Bereitstellung von Geräten, mit Weiterbildungen und der Förderung ortsbezogener Projekte, aber auch mit ambitionierter Kinoarbeit entstanden so Initiativen, die später institutionalisiert wurden oder in Landesfilmförderungen einmündeten.

Als erstes Filmhaus entstand so das Hamburger Filmhaus 1979 im Stadtteil Ottensen, 1980 folgte das Filmbüro NRW in Mühlheim an der Ruhr (aufgegangen in der Filmstiftung NRW als Produktion2; der Verein, der die Jurys dazu stellt, ist jetzt Mieter im Filmhaus Köln), 1981 das Kölner Filmhaus und es folgten Düsseldorf, Essen (existiert nicht mehr), Bielefeld und Münster. Das Kölner Filmhaus wurde seinerzeit als „Zentrum für Medienbildung, Kinokultur und Filmschaffen“ gegründet, ein Anspruch aktueller denn je.

Das Gebäude des heutigen Kölner Filmhaus war einstmals ein Verwaltungsgebäude des „Central-Güterbahnhofs Gereon“, das Gelände des heutigen Mediaparks. Der Backsteinbau aus der Gründerzeit steht heute unter Denkmalschutz und hat entsprechend Probleme bei Grundrissen, Fluchtwegen oder auch nur dem bescheidenen Wunsch einen Schriftzug an der Fassade anzubringen.

Nach dem Einzug in dieses Gebäude 1992 mit 30 Jahren Pachtfreiheit geriet aber die Unternehmung, ein Filmhaus für Köln sein zu wollen, immer wieder in schweres Fahrwasser. Streitigkeiten zwischen den rund 300 Akteuren, Mitgliedern und Vorstand führten schließlich 2012 zur Insolvenz, und das Gebäude ging als sog. „Heimfall“ zurück in die Hände der Stadt.

2018 gab es eine erneute Ausschreibung und Dialoggespräche. Eine Gruppe von Filmakteuren bekam den Zuschlag.

DIE LINKE fordert einen Ort, der Film als Kunstform anerkennt und ihn in sämtliche Bereiche der Stadtgesellschaft vermittelt. Wir brauchen einen freien Ort der Auseinandersetzung, der Bildung und der Produktion ohne kommerziellen Druck, auch seitens der Stadt. Bewegtbild ist Kunst, und die müssen wir uns leisten, so wie Theater und Oper und Museen. Wir fordern Mietfreiheit und einen angemessenen Etat für Personal und Bildungsprogramme. Wir wollen ein echtes Zentrum der Medienbegegnung für Bürger und Profis gleichermaßen. Dazu muss aber sicherlich auch die im gleichen Haus beherbergte Gastronomie „Maybach“ als sozialer Begegnungsort ins Filmhaus integriert werden. Es gibt gute Vorbilder wie London und Groningen. Die Stadt muss das Konzept des Filmhaus vom Kopf endlich auf die Füße stellen, dann kann es ein großer Erfolg werden. Die Nachfrage ist da, die Inhalte auch, jetzt brauchen wir das Gefäß, in das alles einfließen kann.

Ab März 2022 wird auch unsere neue Initiative „Linkes Kino“ im Filmhaus Kino zu sehen sein. Die Filmreihe lädt ein diskursiv über ausgewählte Filme mit den Machern sämtlicher Gewerke sprechen zu können.

Basis unserer Arbeit: Das Kommunalwahl-programm 2020

Hans Günter Bell